Unser Gehirn hat da so eine Macke: Wir regen uns ganz oft über Dinge auf, die wir gar nicht oder kaum beeinflussen können.

Ein Beispiel von mir:

Vor kurzem wollte ich einen Geschenkgutschein für eine meiner Freundinnen zum Geburtstag kaufen. Das geht ja inzwischen auch ganz easy im Internet. Naja oder manchmal auch nicht!

Ich bezahlte den Gutschein, gab meine E-Mail-Adresse an und erwartete, den Gutschein gleich in meinem E-Mail-Postfach zu finden. Tja, aber nach 2 Stunden war der Gutschein immer noch nicht da. Und dabei wollte ich ihn am gleichen Tag noch ausdrucken und meiner Freundin schenken! Aber er kam nicht.

Ich schrieb sofort den Support der Firma an, die mir den Gutschein verkauft hatte. Dick und fett auf der Support-Seite stand: Die Antwortzeit des Teams dauere 2 Tage! Na toll! Ich würde den Gutschein heute nicht ausdrucken können! Das ärgerte mich wie verrückt!

Vielleicht kennst Du das von Dir, wenn z.B. das Internet ausfällt, Du es aber dringend brauchst oder das Wetter schlecht ist und Du eigentlich einen ausgedehnten Spaziergang machen wolltest.

Das Problem:

Situationen wie diese können wir kaum bzw. gar nicht beeinflussen. Aber unsere Gedanken kreisen trotzdem ständig darum und behindern uns darin, produktiv zu sein.

Es gibt da eine Technik, die mir schon oft geholfen hat, mich von solchen Situationen weniger stressen zu lassen:

Es ist eigentlich gar keine Technik, sondern mehr eine Bewusstwerdung. Denn, man macht sich klar: Wieviel Einfluss habe ich eigentlich gerade auf das, was passiert?

Es gibt Dinge oder Situationen, die man zu 100 % beeinflussen kann. Man will z.B. eine nervige Angewohnheit loswerden, ein paar Kilos abnehmen oder sein Handicap verbessern. Alles Dinge, die man selbst in der Hand hat und auf die wir einen hohen Einfluss haben.

Dann gibt es Situationen, die man nur zu 50 % beeinflussen kann; etwa einen Konflikt mit einem Freund oder einer Freundin. Man kann seinen Teil dazu beitragen, dass sich der Streit auflöst (z.B. sich entschuldigen, das Gespräch suchen). Aber der bzw. die andere muss genau das auch wollen, sonst besteht der Konflikt weiterhin.

Und es gibt Situationen, die man (oft) zu 0 % beeinflussen kann; z.B. das Wetter, die Internet-Störung und mein Gutschein-Problem, nachdem ich den Support angeschrieben habe.

Zu wissen: „Hey, ich kann gerade 0 % Einfluss nehmen!”, hilft dabei, mir bzw. meinem Gehirn zu verdeutlichen: Es lohnt sich gar nicht, mich jetzt aufzuregen! Das ist verschwendete Energie! Denn es verändert rein gar nichts!

Stattdessen frage ich mich:

Worauf kann ich denn gerade Einfluss nehmen? Wo kann ich meine 50 % oder 100 % nutzen? Zum Beispiel:

  • im Training mit meiner Hemiparese,
  • bei den E-Mail-Anfragen, die ich heute noch beantworten wollte,
  • beim YouTube-Video, das ich heute drehen könnte,
  • bei meiner Angewohnheit nur einhändig zu gestikulieren, die ich unbedingt verändern will usw.

Und alleine das Aufzählen lenkt mich ab von dem, was ich gerade nicht ändern kann. Und es sorgt dafür, dass ich wieder ins Handeln komme, statt mit verschränkten Armen dazustehen und mich zu ärgern.

Zugegeben: Bei dem Geschenk-Gutschein dauerte es eine Zeit, bis es mir wirklich gelang, für heute nicht mehr daran zu denken.

(Ich mag es einfach nicht, Geschenke nachträglich zu überreichen. Fürs nächste Mal weiß ich jetzt: Auch Gutscheine kaufe ich definitiv früher!)
Aber nach der Sammlung an Einflussmöglichkeiten in anderen Bereichen gelang es mir zumindest, wieder produktiv an meine Arbeit zu gehen

Und soll ich Dir was sagen? Am gleichen Tag, am späten Nachmittag schrieb der Support überraschenderweise doch zurück mit einem Link zum Gutschein! Was ein Glück! Er landete pünktlich bei meiner Freundin. Yes!

Mein Impuls für Dich: 

Wenn Dich etwas ärgert und Du denkst ständig darüber nach, frage Dich: Wieviel Einfluss kannst Du gerade auf die Situation nehmen?
Und wenn Du feststellst, gerade liegt Dein Einfluss bei 0 %: Was sind Dinge, Bereiche, die Du stattdessen jetzt angehen könntest?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar zum Thema!

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