In diesem Beitrag fasse ich kurz für Dich zusammen, was Hemiparese eigentlich ist und wie sich diese Erkrankung auswirken kann. Außerdem schreibe ich darüber, wie sich die Hemiparese bei mir äußert und inwiefern sie mich bisher noch einschränkt.

 

Definition, Ursachen und Symptome

Das Wort ,,Hemiparese“ stammt aus dem Griechischen. Der erste Teil des Wortes ,,Hemi“ bedeutet übersetzt halb oder auch einseitig (vgl. Habermann, 2002, S. 280). ,,Parese“ bedeutet übersetzt Erschlaffung und wird heute als unvollständige Lähmung verstanden. Insofern ist unter Hemiparese eine unvollständige Lähmung einer Körperhälfte zu verstehen (vgl. ebd.). Hemiparese ist nicht zu verwechseln mit der sogenannten Hemiplegie. Diese stellt eine vollkommene Lähmung einer Körperhälfte dar (vgl. ebd.). Personen die eine Hemiplegie aufweisen, sind laut Fachliteratur gar nicht erst dazu in der Lage, mit ihrer gelähmten Körperhälfte sichtbare Bewegungen auszuführen (vgl. Naglo, 2007, S. 9). Personen mit Hemiparese hingegen können ihre betroffene Körperseite, wenn auch eingeschränkt, bewegen.

Hemiparese entsteht aufgrund einer Schädigung in der linken oder rechten Gehirnhälfte (vgl. Habermann, 2002, S. 280). Ist eine Schädigung innerhalb der rechten Gehirnhälfte erfolgt, ist die Hemiparese linksseitig, liegt eine Schädigung der linken Gehirnhälfte vor, äußert sich die Hemiparese rechtsseitig (vgl. Haupt, Jochheim & Remschmidt, 2002, S. 82). Dies liegt daran, dass die linke Gehirnhälfte in den meisten Fällen für die Steuerung der rechten Körperseite und die rechte Gehirnhälfte für die Steuerung der linken Körperseite zuständig ist (vgl. Kuhn, 2010, S. 37). Häufige Ursachen für die zerebrale Schädigung, durch die eine Hemiparese ausgelöst wird, sind Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumata oder auch Tumore (vgl. Habermann, 2002, S. 281 f.).

Zumeist äußert sich Hemiparese dadurch, dass bestimmte Bewegungen des Arms und des Beins möglich, jedoch eingeschränkt sind. Grobmotorische Bewegungen gelingen Betroffenen häufig noch sehr gut, feinmotorische Bewegungen, wie zum Beispiel das Schreiben funktionieren allerdings nicht mehr (vgl. Krämer, 1998, S. 128). Zumeist findet auch eine Kraftminderung der betroffenen Körperhälfte statt, so dass bestimmte Aktivitäten, die viel Kraft kosten, nicht mehr ausgeführt werden können. (vgl. Haupt, Jochheim & Remschmidt, 2002, S. 82). Auch eine Sensibilitäts- und oder eine Sprachstörung können auftreten (vgl. ebd.). Schließlich tritt häufig auch eine gesteigerte Spannung der Skelettmuskulatur auf, die sich beispielsweise in Form einer Verkrampfung der betroffenen Hand oder des betroffenen Fußes zeigt.

Im Folgenden werde ich darstellen, wie sich die Hemiparese bei mir auswirkt.

 

Meine Hemiparese

Ich habe meine rechtseitige Hemiparese vermutlich durch einen vorgeburtlichen Schlaganfall bekommen. Die genauen Ursachen sind jedoch bis heute unbekannt. Feststeht allerdings, dass ich innerhalb des motorischen Zentrums meiner linken Gehirnhälfte eine kleine Narbe habe.

Die Hemiparese wirkt sich derzeit bei mir so aus: Ich kann mein rechtes Bein sowie meine rechte Hand bewegen. Bezüglich meines Beins fällt jedoch auf, dass ich mit dem rechten Fuß leicht humple. Dies liegt daran, dass ich beim Laufen zunächst mit der Spitze des Fußes und nicht, wie üblich, mit der Ferse auftrete. Auch ist es mir während des Stehens auf dem Boden (noch) nicht möglich, die Spitze meines Fußes von selbst anzuheben, während die Ferse dabei auf dem Boden bleibt. Hüpfen und Springen kann ich mit beiden Beinen gut, auf einem Bein stehen kann ich jedoch nur dann, wenn mein linkes Bein auf dem Boden steht und mein rechtes in der Luft hängt. Gleichgewicht zu halten und zu balancieren gelingt mir ebenfalls (noch) nicht besonders gut.

Meine rechte Hand ist insofern eingeschränkt, als dass sie häufig verkrampft, wenn ich aufgeregt bin, ich mich erschrecke oder ich mich stark auf eine Bewegung konzentrieren muss, die ich mit der linken Hand ausführe. Des Weiteren kann ich viele Bewegungen, die für andere Menschen völlig selbstverständlich sind, (noch) nicht ausführen. Beispielsweise ist es mir nicht möglich, ein normales oder auch ein Wein- oder Sektglas mit der rechten Hand zu halten. Insofern bin ich nicht dazu in der Lage, mithilfe meiner rechten Hand etwas zu trinken. Auch fällt es mir schwer, ein Handy, einen Ball oder eine Flasche mit der rechten Hand zu greifen und über eine bestimmte Dauer festzuhalten.

Beim Essen habe ich insofern Schwierigkeiten, als dass ich mit der rechten Hand kein Messer festhalten kann. Es ist es mir daher nicht möglich, beispielsweise ein Stück Fleisch mit der rechten Hand durchzuschneiden. Um etwas durchzuschneiden, nehme ich das Messer aufgrund dessen in die linke Hand. Wenn ich mir die Haare waschen will, müsste ich eigentlich mit der einen Hand (der linken) die Shampoo-Flasche festhalten und mit der anderen Hand (der rechten) das Shampoo auffangen, das in meine Hand träufelt. Leider kann ich meine rechte Hand häufig nicht weit genug drehen, so dass das Shampoo zumeist nicht in meiner rechten Hand bleibt, sondern auf dem Boden landet. Insofern bin ich in diesem Bereich zumeist auf Hilfe angewiesen. Weiterhin gelingt es mir (noch) nicht, andere Menschen mit der rechten Hand zu begrüßen. Ich gebe stattdessen immer die linke Hand. Dies stört mich sehr, da ich dadurch häufig von Beginn eines Gesprächs an ,,schief“ angesehen werde. Schließlich gelingt es mir nach wie vor nicht, eine Kette, die ich gerne tragen möchte, zu öffnen, umzulegen und zu schließen.

Sicher könnte man nun denken, dass es sich bei vielen dieser Dinge, die ich gerade aufgezählt habe, um kleine Dinge handelt, die man nicht unbedingt können muss. Das stimmt wohl. Ich habe ja auch betont, dass ich mit meiner besonderen körperlichen Situation ziemlich gut alleine zurechtkomme. Dennoch wünsche ich mir, alle diese Dinge zu können. Ich möchte eine ganz normale, gesunde junge Frau sein, die alles schafft, was sie sich wünscht. Insofern ist mir dieses Projekt, mich selbst zu heilen, auch so wichtig.

 

 

Quellen des Blogeintrags:

Habermann, Carola (2002): Hemiplegie/Hemiparese. Überblick über das Krankheitsbild und seine Störungen. In: Habermann, Carola & Kolster, Friederike (Hrsg.): Ergotherapie im Arbeitsfeld Neurologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 280-330.

Haupt, Walter F., Jochheim, Kurt-Alphons & Remschmidt, Helmut (2002): Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe. 9. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Krämer, Günter (1998): Schlaganfall. Was Sie jetzt wissen sollten. Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen. Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Mit Ratschlägen zur Lebensführung und Betreuung. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Kuhn, Birgit (2010): Logisches Denken trainieren. Gehirn trainieren und Zusammenhänge erkennen. Die erfolgreichsten Methoden, Tipps und Strategien. München: Compact Verlag GmbH.

Naglo, Kathrin (2007): Hemiplegie nach Schlaganfall, Schädelhirntrauma und anderen Hirnerkrankungen. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag GmbH