Ich will Dir heute mal von zwei Klientinnen erzählen, die jeweils ein großes Thema hatten und für die wir innerhalb kürzester Zeit hilfreiche Lösungen gefunden haben:

Klientin Nr. 1: Nennen wir sie Lisa.

Lisa hatte vor ca. 2 Jahren einen Schlaganfall und dadurch eine Hemiparese auf der linken Seite. Sie schaffte es schon wieder zu laufen.
Ihr Problem: Das Laufen strengte sie unglaublich an. Denn sie hatte so viel gleichzeitig im Kopf.
Sie musste darauf achten, dass ihr Oberkörper gerade blieb, dass sie geradeaus lief und keine Schlangenlinien und dass beide Schritte (rechts und links) ungefähr gleich lang waren.
Bis vor ein paar Monaten hatte sie ihren betroffenen linken Fuß beim Laufen immer „hinterhergezogen”. Jetzt lief er mit und Lisa wollte das unbedingt beibehalten.

Früher hatte ihr Körper ganz automatisch auf all das geachtet, heute hatte sie das Gefühl, ihn immer wieder an die einzelnen Punkte erinnern zu müssen. Und das belastete sie.

Wir überlegten eine Zeit lang, dann schlug ich ein Experiment vor! 

Ich sagte: „Wie wäre es, Du konzentrierst Dich bei Deinem Lauftraining mal nur auf eins der 3 Dinge; gerade bleiben, geradeaus laufen oder Deine Schritte?”

Sie dachte nach. Da wir telefonierten, konnte ich das jedoch nicht sehen und ich wartete auf eine Antwort. Als keine kam, setzte ich nach:
„Natürlich erstmal nur zu Hause und da, wo Du Dich im Notfall festhalten kannst. Zum Beispiel an der Wand entlang.”

Sie antwortete: „Das ist klar, ich glaube, ich probier`s mal aus. Wird merkwürdig sein, sich mal nur auf eins zu konzentrieren.”

Ich sagte gleich: „Wenn Du Lust hast, probiere es doch direkt mal aus, wenn Du gerade die Möglichkeit dazu hast. Ich bleibe am Telefon und warte.”

Sie fand die Idee gut. Und sie hatte glücklicherweise auch die Möglichkeit, es direkt zu versuchen. Denn sie musste einfach nur in den Flur nebenan kommen. Der war lang und bot im Falle eines Falles viel zum Festhalten.

Ich fragte sie:

Von den 3 Sachen, auf die Du beim Laufen achtest, was ist Dir gerade am wichtigsten?
Ihre Antwort kam schnell: „Dass der rechte Fuß mitkommt und ich gleich große Schritte mache.”

„Dann konzentriere Dich jetzt beim Laufen kurz mal nur darauf.”

Ich wartete am Telefon, während sie im Flur auf und ab ging.

Obwohl ich bei ihrem Telefon auf laut gestellt war, verhielt ich mich ganz ruhig. Ich wollte, dass sie sich nur auf sich fokussierte.

Nach ca. 2 Min. war sie wieder am Telefon.
„Wie war`s?”, fragte ich sofort.
„Es war viel leichter. Mein Kopf war freier.”
„Das ist mega!”, sagte ich begeistert.
„Und ich hatte sogar das Gefühl, obwohl ich mich nur auf meine Schritte konzentriert habe, bin ich im Oberkörper halbwegs gerade geblieben und auch geradeaus gelaufen.”, ergänzte sie.

Hammer, die Lösung war schneller gefunden als gedacht.

Ich empfahl ihr, bei ihrem Lauftraining zu Hause jetzt häufiger nur einen Schwerpunkt zu setzen und sich auf diesen zu konzentrieren. „Es muss nicht immer derselbe Schwerpunkt sein, auf den Du achtest. Du kannst Dich zum Beispiel auch mal nur auf`s gerade Laufen konzentrieren. Und, wenn Dir das leichter fällt, nimmst Du einen zweiten Fokus dazu.”

Sie grinste und war einverstanden.

Das war wieder ein Moment, in dem ich dachte:

Wow, wieviel Einfluss unser Denken auf unsere Motorik hat. Wenn wir anders denken, in dem Fall einen statt drei Fokusse setzen, geht vieles schneller und einfacher! Ähnlich auch bei meiner 2. Klientin.
Hier versuche ich jetzt, mich kurzzufassen, denn ich merke, diese Mittwochs-Motivation wird wieder ziemlich lang ;).

Klientin Nr. 2: Nennen wir sie Svenja!

Svenja hatte ebenfalls vor ein paar Jahren einen Schlaganfall und deshalb eine Hemiparese auf der linken Seite. Eines ihrer Themen:
Jedes Mal, wenn sie sich morgens Stiefel anziehen wollte, verkrampfte ihr rechter Fuß. Den Schuh dann alleine anbekommen? Keine Chance!

Wir sprachen ein bisschen über ihren Morgen und was sie da alles zu tun hatte. Dann sagte sie: „Ich fühle mich morgens immer total unter Stress. Ich habe immer das Gefühl, schnell fertig sein zu müssen. Und dann verkrampfe ich meist noch mehr.”

Ich überlegte einen Moment und fragte dann: „Kannst Du Dir, bevor Du die Stiefel anziehst, zwei Minuten Zeit nehmen, um Dich auf der Couch zu entspannen?”
Sie sagte zögernd: „Joar, könnte ich schon machen.” Sie klang wenig überzeugt. Es klang als fragte sie sich: Was soll das schon bringen?

Ich erzählte ihr ein bisschen von meinen Erfahrungen und wie sehr es mir bei meiner Motorik hilft, vor Dingen, die mir schwerfallen, kurz zu entspannen und mich auf meine Atmung zu konzentrieren.
Sie klang danach immer noch nicht wirklich überzeugt, war aber bereit, es mal auszuprobieren.

Eine Woche später war unser nächstes Coaching.

Und ich fragte sie nach ihren Erfahrungen mit dem Entspannen vorm Stiefelanziehen. Sie war ganz begeistert und sagte gleich:
„Ich hab das gemacht. Ich habe mich, bevor ich die Stiefel angezogen habe, jedes Mal auf die Couch gesetzt und nichts gemacht, einfach nur Pause. Und danach hab ich`s schon deutlich häufiger hingekriegt, meine Stiefel alleine anzuziehen. Mein Fuß war entspannter.”

Richtig cool! Wieviel eine so kleine Veränderung für den Kopf und den Körper verändern kann!

Kennst Du selbst auch Situationen, in denen Dich Dein Kopf (ein wenig) behindert?
Falls ja, keine Sorge, das geht den meisten so! Auch mir immer wieder.
Könnte einer der beiden Tipps aus diesem Beitrag Dir dabei helfen? Probiere sie gerne mal aus und schreibe mir von Deinen Erfahrungen. Ich freue mich drauf!

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