Wie behindert bist du eigentlich?!

So geht Ergotherapie

Ich gehe jetzt seit etwa einem Jahr regelmäßig zur Ergotherapie. Seither hatte ich bereits viele Erfolge. Ich kann meine Hand inzwischen viel feiner und gezielter bewegen. Außerdem hat sich meine Wahrnehmung in der Hand deutlich verbessert.

Heute nehme ich Dich einmal mit zu meiner Ergotherapie. Dann erfährst Du, wie sie für gewöhnlich abläuft und was ich dort so alles für Übungen mache. Die Ergotherapie dauert etwa 45 Minuten und findet einmal wöchentlich statt.

Ein bunter Raum mit ganz viel Inhalt

Der Raum, in dem ich die meiste Zeit Ergotherapie erhalte, ist groß und hell beleuchtet. Weit vorne im Raum steht ein großer heller Schreibtisch mit zwei Stühlen. Dahinter befinden sich Regale und Schränke mit jeder Menge Büchern und Spielen. Eine Sprossenwand ist im hinteren Teil des Raumes angebracht. Dort befinden sich außerdem Bälle in verschiedenen Größen sowie ein Trampolin.

Für sämtliche meiner ergotherapeutischen Übungen benötige ich einen Tisch. Daher finden unsere Ergotherapie-Einheiten zumeist im Sitzen vor dem Schreibtisch statt. Die anderen Geräte im Raum sind vermutlich eher für die Arbeit mit Kindern gedacht. Ich habe sie bisher noch nicht genutzt.

Das A und O: „Sensi-Training“

Neben jeder Menge aktiver Übungen mit der Therapieknete, Holzstäbchen und Murmeln nimmt das Sensibilisierungs-Training meiner rechten Hand einen großen Teil innerhalb meiner Ergotherapie ein. Das Ziel hierbei: die Verbesserung der Wahrnehmung meiner rechten Hand.

Jetzt kommt der Bleistift zum Einsatz!

Eine Übung, die meine Ergotherapeutin besonders früher häufig mit mir gemacht hat: die Bleistift-Übung. Für diese Übung schließe ich meine Augen und lege meine Hand mit dem Handrücken nach oben auf den Tisch. Meine Ergotherapeutin drückt daraufhin mit einem Bleistift vorsichtig auf einzelne Stellen meiner Hand (zum Beispiel in die Kule zwischen Mittelfinger und Ringfinder, auf meinen Daumen oder auf den äußeren Rand meines Handrückens).

Dabei verwendete sie entweder die spitze Seite des Bleistifts oder die stumpfe. Und meine Aufgabe ist es, zu erkennen, mit welcher Seite des Bleistiftes sie mich berührt und an welcher Stelle meiner Hand der Bleistift aufkommt.

Training

Diese Übung fällt mir relativ leicht. Ich kann die spitze und stumpfe Seite des Stifts schnell identifizieren. Trotzdem benötige ich viel Konzentration, um keine Fehler zu machen.

Früher war es herausfordernd für mich, zu erschließen, an welcher Stelle der Bleistift mich berührt. Besonders im Ringfinger und kleinen Finger hatte ich wenig Gefühl. Ich wusste zwar meist, ob gerade die spitze oder stumpfe Seite meine Haut berührte, ich konnte aber nicht zuordnen, wo genau der Bleistift gerade war. Ziemlich strange oder?

Heute habe ich einen besseren Bezug zu den einzelnen Fingern, so dass es mir leichter fällt, festzustellen, wo sich der Bleistift befindet. Deshalb machen wir diese Übung heute eher seltener und hauptsächlich zur Überprüfung meiner Sensibilität.

Gegenstände blind erkennen – Und das nur mit dem Handrücken!

Vor kurzem haben wir eine neue Übung in das Sensi-Training aufgenommen. Hierfür versteckt meine Ergotherapeutin einzelne Alltagsgegenstände wie Löffel, Bälle, Holzstäbe oder Korken unter einem Tuch. Wichtig: Ich darf im Vorfeld der Übung nicht wissen, was genau sich unter dem Tuch befindet.

Ich schließe wieder meine Augen und lege meine rechte Hand auf den Tisch. Meine Ergotherapeutin holt einen der Gegenstände unter dem Tuch hervor und streicht damit über meinen Handrücken. Sie nutzt dabei immer nur einzelne Seiten des Gegenstandes. Beim Löffel zum Beispiel streicht sie zunächst nur mit dem Stiel über meine Haut und erst später mit der Kelle (die Vorderseite des Löffels).

Training

Ich bekomme währenddessen die Aufgabe, zu erraten, aus welchem Material der Gegenstand besteht, wie groß oder klein er ist und schließlich natürlich, um welchen Gegenstand es sich handelt.

Das Material des Gegenstandes zu erkennen, funktioniert meistens noch ganz gut. Auch die Größe erkenne ich nach ein paar Minuten relativ genau. Aber zu erfühlen, was für ein Gegenstand sich gerade auf meinem Handrücken befindet, ist noch ziemlich schwierig für mich. In den meisten Fällen erkenne ich ihn erst, wenn ich ihn in die Handinnenfläche nehmen darf und ihn mit allen Fingern ertasten kann. Ich schätze aber mal, dass ich auch mit meiner linken Hand Schwierigkeiten hätte, alle Gegenstände auf Anhieb zu erkennen. Daher stört es mich nicht, wenn ich beim Erraten der Gegenstände noch so manches Mal falsch liege.

Früher haben wir diese Übung nur mit verschieden großen Bällen durchgeführt.

Dabei ging es ausschließlich darum, die Größe der Bälle zu identifizieren. Inzwischen fällt mir diese Übung leichter, weshalb wir den Schwierigkeitsgrad erhöht haben.

Auch dieses Sensibilisierungs-Training hilft mir dabei, die Wahrnehmung meiner rechten Hand gezielt zu verbessern. Es macht Spaß und ist eine besondere Erfahrung. Schließlich bin ich währenddessen blind und weiß nie, was sich gerade auf meiner Hand befindet.

Mit Murmeln zur verbesserten Feinmotorik

Ein weiterer großer Bestandteil meiner Ergotherapie ist das Training der Feinmotorik. Viele Übungen, die ich innerhalb der Ergotherapie mit Therapieknete mache, habe ich Dir bereits in früheren Blogeinträgen vorgestellt. Deshalb zeige ich Dir heute eine Methode mit Murmeln. Diese kannst Du, wenn Du auch eine Hemiparese oder eine ähnliche besondere Situation hast, ganz einfach zu Hause nachmachen. Das einzige, was Du dafür benötigst, sind eine Hand voll Murmeln und zwei Schalen.

Vor mir auf dem Tisch stehen zwei Schalen. In einer dieser Schalen sind Murmeln drin, die andere ist leer. Ich bekomme die Aufgabe, mehrere Murmeln in die rechte Hand zu nehmen und diese einzeln in die leere Schale fallen zu lassen.

Ergotherapie

Hört sich leicht an oder? Für mich ist es allerdings ganz schön herausfordernd.

Ich nehme die Murmeln jeweils einzeln mit Daumen und Zeigefinger. Dann muss ich sie so in meine Hand gleiten lassen, dass sie währenddessen nicht herunterfällt. Das benötigt viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Besonders der Ringfinger und der kleine Finger müssen sich im richtigen Moment um die Murmel herumschließen und dürfen nicht mehr aufgehen. Beide Finger kann ich bisher noch nicht einzeln ansteuern.

Wenn dann noch mehrere Murmeln in meiner Handinnenfläche sind, wird es nicht gerade einfacher.

Trotzdem liebe ich diese Übung. Bei ihr wird nämlich deutlich, dass ich meinen Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen inzwischen einzeln ansteuern kann. Sie reagieren auf meine Befehle und sind jetzt schon sehr hilfreich im Alltag.

Ich bin mir sicher, dass ich dieses Murmel-Training mit etwas Übung noch besser und gezielter hinbekomme. Heute freue ich mich über jede Murmel, die nicht herunterfällt und in der leeren Schale landet.

Spätestens nach diesen Übungen sind die 45 Minuten um und meine Ergotherapie ist beendet.

Jedes Mal im Anschluss fühlt sich mein Kopf schwerer an als zuvor. Er hat viel gearbeitet. Fast jedes Mal macht es aber auch sehr viel Spaß, so intensiv zu trainieren. Daher gehe ich auf jeden Fall weiterhin zur Ergotherapie. Denn sie hilft wirklich enorm bei der Erreichung meines großen Ziels, meine rechte Hand besser zu bewegen.

Hast Du auch Erfahrungen mit Ergo- oder auch Physiotherapie? Wie gefällt sie Dir? Bringt sie Dich weiter?

Schreibe gerne einen Kommentar unter diesen Eintrag. Ich freue mich darauf.

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