Ergotherapie nochmal ganz anders!
In meinem Coaching-Alltag schreibe und notiere ich viel. Und dabei ist mir aufgefallen, dass meine rechte Hand während des Schreibens mit meiner linken Hand gerne mal anspannt. Nicht so stark, aber doch immer wieder. Das ist mir im Laufe der Jahre immer mal wieder bewusst geworden, doch mein Fokus lag immer woanders.
Vor ein paar Monaten habe ich dieses Thema kurzerhand mit in meine wöchentliche Ergotherapie-Stunde genommen. Ich wollte mir gemeinsam mit meiner Therapeutin das Schreiben mal genauer ansehen.
Und seitdem erlebe ich Ergotherapie nochmal ganz anders!
Denn wir arbeiten nicht mehr nur mit meiner rechten Hand, sondern auch mit meiner linken. Das finde ich total spannend, nachdem ich so viele Jahre vor allem mit meiner rechten Hand trainiert habe.
Wenn ich mit meiner linken Hand eine Übung mache, muss meine rechte nur eins: entspannt bleiben. Leichter gesagt als getan. Denn sie würde am liebsten fast jede Übung mitmachen. Es ist eine richtige Konzentrationsaufgabe, jeden Finger und jeden Muskel währenddessen lockerzulassen.
Meiner linken Hand fällt es anders herum heute deutlich leichter, entspannt zu bleiben, während meine rechte etwas macht. Klar, auch sie ist nicht immer vollkommen relaxed, aber ruhiger, (auch dank viel Übung).
Das Training hat Einfluss auf meinen Alltag!
Jede Woche stellt mich meine Ergotherapeutin vor größere Herausforderungen. Die Übungen, die ich mit links mache, werden nach und nach schwerer, auch die Übungen zu Hause.
Und es macht sich in meinem Alltag bemerkbar. Ich spüre schneller, wenn ich meine rechte oder linke Hand (ungewollt) anspanne und kann sie eher wieder loslassen. Die Wahrnehmung verbessert sich.
Ich versuche außerdem, Bewegungen mit links entspannter auszuführen. Dadurch kann meine rechte Seite lockerer bleiben.
Und, mir wird früher bewusst, wenn meine linke und rechte Hand mal wieder miteinander „verknüpft“ sind und beide eine Bewegung ausführen wollen, obwohl ich sie eigentlich nur mit einer Hand machen möchte. Diese „Verknüpfung“ kann ich nicht immer sofort aufheben, aber öfter als früher.
Mal schauen, wie es im Training so weitergeht!
Ein Muster aus meiner Kindheit
Dass meine rechte Hand anspannt, während ich mit der linken schreibe, ist vermutlich schon in meiner Kindheit so gewesen bzw. hat sich dort entwickelt.
Dementsprechend knifflig ist es, mir dieses Muster wieder „abzugewöhnen“.
Vielleicht kommt es daher, dass ich früher immer das Gefühl hatte, ich müsste das Blatt krampfhaft festhalten, während ich mit links schreibe. Meine rechte Hand hält einfach sehr gut fest ;).
Vielleicht kommt es auch daher, dass das Schreiben in der Schule immer ziemlich schnell gehen musste. Möglicherweise hat der Zeitdruck zu mehr Anspannung in meiner rechten Hand geführt.
Heute gibt es fürs (entspannte) Schreiben lernen spezielle ergotherapeutische Angebote. In meiner Kindheit wurde darauf nicht so sehr geachtet. Es standen andere Dinge im Vordergrund.
Unabhängig davon: Ich kann heute daran arbeiten und das finde ich super! Klar brauche ich vermutlich länger, aber Veränderung ist auch jetzt noch möglich, das merke ich in meinem Alltag!
Wie ist das bei Dir? Hast Du in Deiner Ergotherapie auch schon häufiger mit der Hand gearbeitet, die eigentlich gut funktioniert?
Ich finde, das ist ein spannender Ansatz. Gerade dann, wenn beide Hände die Tendenz haben, anzuspannen, wenn die jeweils andere Hand eine Bewegung ausführt. Was denkst Du? Schreibe es in die Kommentare!
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