Wie behindert bist du eigentlich?!

Meinen Mustern auf der Spur

Auch nach mittlerweile über 30 Jahren in der Therapie (früher Physio-, heute Ergotherapie) entdecke ich immer wieder Neues.

Vor kurzem arbeiteten meine Ergotherapeutin und ich mal wieder am Greifen mit meiner rechten Hand – z.B. Gläser greifen und Bälle.
Und dabei ist uns etwas Spannendes aufgefallen:

 

An meine Handinnenfläche lass` ich nichts dran!

Wenn ich greife, dann häufig nur mit den Fingern, statt mit der ganzen Hand samt Handinnenfläche. Man sieht es kaum, aber der Gegenstand, den ich greife, hat immer einen kleinen Abstand zu meiner Handinnenfläche. Dadurch ist er weniger stabil in meiner Hand. Das war mir im Vorfeld gar nicht so bewusst.

Damit der Gegenstand, z.B. das Glas, am Ende aber trotzdem in meiner Hand hält,…

 

…habe ich ein weiteres unbewusstes Muster entwickelt:

Beim Greifen positioniert sich mein Zeigefinger auf der einen Seite des Glases meist höher als mein Daumen auf der anderen Seite. Bei meiner linken (gut funktionierenden) Hand ist das nicht so. Da sind Zeigefinger und Daumen in der Regel auf einer Höhe. Bei breiten Gläsern greife ich hier aber auch mit der ganzen Hand, nicht wie rechts nur mit den Fingern.

Wenn ich mit rechts greife, schafft der höhere Zeigefinger am Glas Stabilität. Das Glas bleibt in meiner Hand.
Wie clever der Körper doch ist! Er findet immer Wege, wie etwas doch funktioniert! Das finde ich faszinierend.

 

Gleichzeitig ist es auch wieder eine Einladung,…

…zu lernen, die Handinnenfläche beim Greifen ab jetzt mehr zu nutzen bzw. mit der ganzen Hand zu greifen. Das übe ich inzwischen häufiger, gar nicht so einfach. Denn bisher habe ich es ja fast immer anders gemacht.

 

Worauf ich aber eigentlich hinaus will:

Es lohnt sich, immer mal wieder nach unbewussten Mustern Ausschau zu halten, sich anzuschauen, wie man bestimmte Bewegungen macht und warum. Z.B. beim Laufen, Greifen oder Drehen der Hand.

Gerade deshalb gehe ich auch bis heute zur Therapie. Denn ich selbst kann bei mir gar nicht alles im Blick behalten. Es braucht manchmal einen Blick von Außen.

 

Und klar, man muss das entdeckte Muster dann nicht unbedingt gleich verändern.

Gerade, wenn die Bewegung auch so klappt, ist das nicht unbedingt notwendig. Gläser greifen mit der rechten Hand könnte ich theoretisch auch weiter wie bisher.

Wichtig ist, dass das Muster nicht dazu führt, dass man sich verhält oder man mega viel Kraft aufwendet, um die Bewegung hinzubekommen. Dann lohnt es sich, auf jeden Fall dran zu arbeiten.

 

Ich habe auch heute noch Lust, Neues zu lernen!

Es macht mir Spaß, meine rechte Seite noch besser kennenzulernen und mit ihr zu arbeiten. Klar, nicht immer. Manchmal denke ich mir auch: „Nicht noch eine Herausforderung/ein Projekt.“
Genau dann mache ich meist eine kleine Trainingspause, um erst einmal Kraft zu tanken.

Aber dann geht`s weiter, denn es lohnt sich! Bis heute schaffe ich Verbesserungen und mehr Beweglichkeit. Und vor allem mehr Vertrauen in meinen Körper.

Schreibe Du doch mal: Hältst Du auch ab zu Ausschau nach unbewussten Bewegungsmustern Deiner betroffenen Seite?
Falls nicht, probier`s vielleicht mal zusammen mit Deinem Therapeuten bzw. Deiner Therapeutin.

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