Wie behindert bist du eigentlich?!

Konflikte erfolgreich lösen – Hier kommt eine Strategie!

Ich bin neulich gefragt worden:

„Janina, kannst Du mal einen Beitrag zum Thema Konflikte lösen machen?“

Ich habe lange darüber nachgedacht, weil: Jeder Konflikt, jeder Streit ist anders und hängt völlig von den beteiligten Personen ab. Ein schwieriges Gespräch mit dem Chef ist ganz anders als ein Streit unter Freunden. Wieder anders ist ein Konflikt mit dem Partner/der Partnerin oder mit Familienmitgliedern.

Im Coaching gehen wir deshalb jeden Konflikt individuell an.

Aber, es gibt eine Strategie, die ich fast jedes Mal nutze; in Coachings, in Verhandlungen mit potentiellen Kooperationspartner/innen und auch in meinem privaten Leben. Mein Coach hat sie mir beigebracht.

Es ist eine Strategie zur Vorbereitung auf schwierige Gespräche!

Denn: Die Vorbereitung ist das Allerwichtigste!

Ganz ehrlich: Früher habe ich mich so gut wie nie auf Gespräche vorbereitet!

Ich habe stattdessen immer gehofft: „Hoffentlich wird das Gespräch nicht zu unangenehm und wir können uns irgendwie einigen.“

Oder, ich habe mir ausgemalt, was alles bei dem Gespräch schieflaufen könnte und hatte noch mehr Schiss vor dem Gespräch.

Oft bin ich Konfliktgesprächen auch einfach aus dem Weg gegangen, hoffte, es ränkt sich von selbst wieder ein; mal mit mehr, ganz oft aber auch mit wenig Erfolg.

Warum ist Vorbereitung das Allerwichtigste?

Weil Du…

  1. … Dir dadurch Raum und Zeit gibst, über das Thema des Konflikts zu reflektieren und nachzudenken. Oft führt alleine das zu einer differenzierteren Sicht auf die ganze Situation.
  2. … dadurch die Möglichkeit hast, Dir genau zu überlegen, was Du willst und was Dir wichtig ist, aber auch, was dem/der anderen wichtig ist und was er/sie will.
  3. … das Gespräch im Vorfeld gedanklich üben kannst! Und das nimmt oft ganz viel Angst und Sorgen vor dem Gespräch.

Du siehst: Die Vorbereitung bringt ganz schön viel!

Selbst, wenn Du Dich danach entschließt, das Gespräch erst einmal doch nicht zu führen (z.B., weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, weil Du noch zu große Angst hast oder ähnliches), hat Dich die Vorbereitung weitergebracht. Denn, Du hast Dich konstruktiv mit dem Streit auseinandergesetzt, nach möglichen Lösungen gesucht und Du bist für ähnliche Gespräche gewappnet!

Wie bereite ich mich auf einen Konflikt vor?

Hier kommt meine Strategie:

Jedes Mal, wenn bei mir ein herausforderndes Gespräch ansteht, setze ich mich zunächst an meinen Schreibtisch, schlage meinen College-Block auf und reiße 3 Zettel heraus.

Auf den 1. Zettel schreibe ich in die Mitte:

„Das will ich:“ oder auch: „Das ist mir wichtig:“

Und darum herum schreibe ich jetzt jeden Punkt, der mir wichtig erscheint; eben das, was ich in diesem Gespräch erreichen will.

Angenommen, Du hättest ein Gespräch mit Deinem Chef vor Dir und schon lange das Gefühl, hier in der Firma unterfordert zu werden. Dann muss auf Deinem Zettel stehen:

„Ich will mehr gefordert werden. Ich wünsche mir neue Aufgaben, neue Herausforderungen. Ich will…“ usw. Schreibe alles auf, was Dir einfällt.

Auf den 2. Zettel notiere ich mittig oben:

„Das will… (Name des Konfliktpartners/der Konfliktpartnerin)“

Und darunter schreibe ich alles auf, was der/die andere möchte und was ihm/ihr wichtig ist.

Auf die linke Seite des Blattes schreibe ich ausschließlich Punkte, die ich sicher über den/die andere/n weiß. Auf die rechte Seite das, was ich nur vermute. Diese Unterscheidung hilft dabei, dem bzw. der anderen nicht vorschnell etwas zu unterstellen, sondern möglichst neutral zu bleiben.

Wenn Du offen für Neues bist…

… probiere gerne Folgendes aus: Noch bevor Du aufschreibst, was Du willst und, was der/die andere will, lege beide Zettel mit etwas Abstand auf den Boden und stelle oder setze Dich zunächst hinter den einen Zettel, dann hinter den anderen.

Fühle Dich gedanklich nacheinander in beide Positionen ein. Ich weiß, es hört sich komisch an, aber probier`s mal!

Fange am besten mit Deiner Position und dem, was Du willst, an. Fühle in Dich hinein und überlege, was Dir wichtig ist.

Wechsele dann die Position und fühle Dich in Deinen Gesprächspartner/Deine Gesprächspartnerin hinein und überlege, was ihm/ihr wichtig ist. Oft hilft es nämlich, die eigene Position wortwörtlich zu verlassen, um freier und offener denken zu können!

Schreibe erst danach Deine Gedanken auf beide Zettel.

Wenn Du darauf keine Lust hast, bleibe einfach an Deinem Schreibtisch sitzen und überlege von dort aus. Das geht auch!

Der 3. Zettel fehlt noch!

Stimmt, der kommt jetzt!

Denn, auf diesen schreibe ich: „Das kann ich … (Name) anbieten:“

Und hier schreibe ich alles auf, von dem ich denke, dass es hilft, unseren Konflikt zu lösen. Z.B. Lösungsideen bzw. -vorschläge sowie denkbare Kompromisse.

Oftmals stelle ich mich auch hierbei hin, lege den Zettel vor mich auf den Boden und begebe mich gedanklich in diese Position. Dadurch fällt es mir leichter, in Lösungen zu denken und wegzukommen von meinem Groll, den ich ggf. wegen dem Konflikt empfinde.

Ich überlege mir aber nicht nur Lösungen, sondern ich frage mich außerdem:

Welche positiven Eigenschaften und Fähigkeiten bringe ich mit, die dem/der anderen nützlich oder hilfreich sein können?

Das heißt, ich frage mich: Wie kann der/die andere (zukünftig mehr) von mir profitieren? Was hat er/sie davon, dass er/sie mich kennt, mit mir zusammenarbeitet, mit mir befreundet oder zusammen ist? Was kann ich geben?

Und ich weiß: Sich diese Fragen mitten in einem Konflikt zu stellen, ist absolut nicht leicht. Schließlich ist man verletzt, gekränkt, vermutlich auch wütend auf den/die andere/n! Und man denkt, (zumindest geht es mir so), vor allem an das, was man selbst vom anderen will, was er oder sie tun soll, um den Konflikt zu beenden.

Und gleichzeitig: Wenn man einen Konflikt lösen will, kann es unglaublich hilfreich sein, sich genau mit diesen Fragen zu befassen!

Zum einen, weil es Dich stärkt. Du machst Dir klar, was Du zu bieten hast, was Deine Stärken sind. Das gibt Dir Kraft und Selbstvertrauen für das Gespräch.

Zum anderen, weil es bei einer erfolgreichen Partnerschaft, egal ob im Beruf oder im Privaten, immer darum geht, zu nehmen, vor allem aber auch zu geben; für den/die andere/n da zu sein, ihn/sie zu unterstützen.

Ich habe in diesem Bereich noch einiges zu lernen!

Ich war, um ehrlich zu sein, früher ziemlich oft egoistisch. Ich war meist nur dann zufrieden, wenn es nach meiner Nase ging. Ich nahm sehr viel, gab aber aus meiner heutigen Sicht zu wenig zurück. Auch heute empfinde ich mich immer mal wieder als zu egoistisch.

Umso entscheidender war es für mich, gerade in Konfliktsituationen mehr darüber nachzudenken: Was kann ich anbieten und geben?

Denn das hat mir dabei geholfen, nicht nur mich und meine Perspektive zu sehen, sondern auch die der anderen! Dadurch schaffe ich es heute viel häufiger erfolgreich Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden.

Das bedeutet jetzt aber nicht:

Achte nur noch auf die Bedürfnisse und Wünsche von anderen! Auf keinen Fall!

Denn, das, was Du willst, ist ebenfalls wichtig! Und Dich um Dich selbst zu kümmern und dafür zu sorgen, dass es Dir gut geht, ebenfalls. Gerade deshalb beginnt die Technik ja auch mit der Frage danach, was Du willst.

Es geht, wie immer darum, den Mittelweg aus beidem zu finden und eine Lösung, die für Euch beide passt.

Last but not least: Jetzt geht`s ans Üben!

Wenn Du alle diese Punkte für Dich geklärt hast, Du weißt, was Du willst, was der/die andere möchte und was Du anbieten kannst, gehe das Gespräch am besten gedanklich vorab mehrmals durch!

Überlege Dir, wie Du das Gespräch beginnen willst (z.B. mit ein paar wertschätzenden Worten, Dinge, die Du am anderen oder auch an Eurer Freundschaft oder Zusammenarbeit schätzt).

Lasse den/die andere auch ruhig wissen, dass Du Dir im Vorfeld viele Gedanken zu dem Gespräch gemacht hast und dass es Dir wichtig ist, gemeinsam Lösungen zu finden.

Schildere dann Deine Gedanken und schließlich Deine Lösungsideen oder Kompromissvorschläge.

Überlege Dir auch, was der andere sagen könnte und wie Du darauf reagieren möchtest.

Zentral ist: Es geht nicht darum, Dir auszumalen, wie das Gespräch scheitern könnte (das habe ich ja jahrelang so gemacht). Es geht darum, Dir vorzustellen, wie Ihr den Konflikt gemeinsam löst. Dadurch bekommst Du Mut für Dein Gespräch, fühlst Dich vorbereitet.

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg beim Ausprobieren und Konflikte-Lösen!

Schreibe unbedingt in die Kommentare: Wie gehst Du bisher mit Konflikten um?

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