Das Jahr 2020 ist fast um. Mittlerweile schreibe ich fast 4 Jahre diesen Blog und ich liebe es nach wie vor. Nicht nur, weil ich hier über meine Erfahrungen und Erfolge bei der Verbesserung meiner rechtsseitigen Hemiparese schreibe, sondern vor allem, weil ich merke, dass ich dadurch immer mehr andere Betroffene und Eltern motivieren und inspirieren kann.

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Lass uns heute zurückschauen: Was ist dieses Jahr eigentlich passiert? 

 Eines vorweg: Natürlich denke ich, wenn ich 2020 Revue passieren lasse, auch ganz viel an Corona; ein Kapitel, das unser ganzes Leben in diesem Jahr ganz schön auf den Kopf gestellt hat. Wenn ich allerdings zu viel darüber nachdenke, macht mich das eher wütend und traurig. Deshalb will ich im Folgenden auch nicht darüber schreiben. Denn 2020 ist auch verdammt viel Positives passiert und genau darauf will ich mich hier konzentrieren.

Los ging`s mit meinen Top 5 Zielen für dieses Jahr.

 

Ich wollte:

  • meine rechten Finger multitaskingfähiger machen; heißt für mich: Meine Finger sollten unabhängiger voneinander werden und sich einzeln bewegen; statt immer gleich die ganze Hand,
  • meine Hand komplett drehen können; mit der Handinnenfläche nach oben,
  • dass meine Hand beim Greifen und Loslassen von Dingen besser aussieht,
  • beidhändig gestikulieren und
  • ein noch flüssigeres Gang- und „Rennbild“.

 

Einiges davon habe ich geschafft!

Meinen Zeige- und Mittelfinger kann ich noch deutlich besser einzeln bewegen. Erst vor kurzem habe ich bemerkt, dass ich dadurch jetzt z.B. eine Computer-Maus mit meiner rechten Hand bedienen kann; richtig cool!

Ich gestikuliere im Alltag deutlich häufiger beidhändig; werde mutiger, meine rechte Hand zu zeigen, auch wenn meine Gesten noch etwas anders aussehen als die von anderen.

 

Ein riesiger Erfolg im März diesen Jahres:

Ich habe es da zum 1. Mal geschafft, meinen rechten Fußheber anzusteuern und nach oben zu bewegen; früher völlig undenkbar! Der Hammer! Seitdem fühle ich mich beim Laufen deutlich sicherer auf den Beinen, mein Gleichgewicht hat einen großen Sprung gemacht und mein Laufen sieht auch besser aus. Auch mit meinem Rennen bin ich deutlich glücklicher. Ich hopse nicht mehr, sondern ich sprinte richtig.

Hier im Video sieht man es gut:

Mein Handgelenk und ich

Ein Ziel, das mich jetzt schon ziemlich lange begleitet: Die Drehung meines Handgelenks; Fachwort: Supination. Feststeht: Ich kann mein Handgelenk wieder ein kleines Stück weiterdrehen. Aber die komplette Drehung, so dass wirklich die Handinnenfläche komplett nach oben zeigt, gelingt mir nach wie vor nicht. Auch die Drehung zurück (Pronation) führt bei mir noch dazu, dass sich nicht nur mein Handgelenk dreht, sondern der ganze Arm mithelfen will und sich mitbewegt.

Das ist ganz schön frustrierend, manchmal auch zum Verzweifeln, aber ich bin nach wie vor davon überzeugt: Da geht noch was, das kann ich noch verbessern; ähnlich wie bei meinem Fußheber. Nach so langer Zeit habe ich es geschafft, ihn zu aktivieren, bei meinem Handgelenk muss ich noch den richtigen Weg finden; wer weiß, vielleicht schon im nächsten Jahr! Ich halte Dich auf dem Laufenden ;).

 

Mein Ringfinger und kleiner Finger – Auch hier hat sich etwas getan!

Mein großes Ziel ist es nach wie vor, alle Finger einzeln zu bewegen. Bei Zeige- und Mittelfinger läuft das, wie gesagt, inzwischen auch echt gut. Mein Ringfinger macht ebenfalls kleine Fortschritte. Die Beugebewegung klappt inzwischen einzeln. Generell merke ich jedoch, dass er noch sehr von meinem Mittelfinger abhängig ist. Wenn ich ihn ansteuere, bewegt sich oft der Mittelfinger einfach mit. Den kleinen Finger einzeln zu bewegen ist nach wie vor am schwierigsten. Auch hier arbeite ich weiter dran.

 

2020 – Das Jahr, indem ich viel meinen Mut-Muskel trainierte

Dieses Jahr habe ich so viele neue Sachen ausprobiert, wie schon ewig nicht. Ich war zum 1. Mal top rope klettern (Klettern mit Absicherung):

Video Link

Ich war nach über 10 Jahren wieder Fahrrad fahren:

Ich habe (ein bisschen) Boxen gelernt:

Und ich war oft im Wald klettern und habe mich auf höhere Berge getraut.

Gab`s auch Fehlschläge?

Ohja, die gab es! Ich bin einmal richtig vom Fahrrad geknallt, hatte 2 Tage ganz dicke Beulen am Arm und an den Füßen, bin mehrfach beim Rennen-Üben gestolpert und habe mich hingelegt, beim Klettern in der Halle bin ich froh, wenn ich 1, 5 Meter die Wand hochkomme. Oft scheitere ich schon an den ersten Stufen.

Auch meine rechte Hand schafft vieles noch nicht so, wie ich es gerne hätte. Und manchmal frage ich mich dann auch: „Warum machst Du das überhaupt, wenn es doch immer noch nicht funktioniert?“.

Und gerade weil dieses Jahr immer wieder Rückschläge kamen, gehe ich inzwischen anders mit ihnen um. Anfang des Jahres war ich nach einem Fehlschlag mehrere Tage lang traurig und frustriert. Ständig kamen so Gedanken wie:

„Das klappt doch eh` nicht!“

„Ich schaff`s nicht!“

Auch heute denke ich nach einem Rückschlag nicht sofort: „Hey, egal, ich mach weiter.“, aber ich bleibe deutlich entspannter und dadurch handlungsfähiger. Statt das Fahrrad nach dem Sturz wieder wütend beim Verleih abzugeben und nicht weiterzufahren, gönne ich mir eine Pause von 10-15 Minuten und setze mich neben das Fahrrad. Und danach steige ich wieder auf, übe ein bisschen und fahre weiter. Das Gleiche beim Klettern.

Und wenn ich nach einem Fehlschlag auch mal keinen Bock mehr habe, ja dann lass ich`s auch mal bleiben! Nicht, weil ich denke, „Ich schaff`s nicht!“, sondern weil ich es gerade nicht weiter versuchen will.

 

Die Reise geht weiter!

Auch im nächsten Jahr verfolge ich meine Ziele weiter. Einfach auch deshalb, weil es mir nach wie vor Spaß macht und mich weiterbringt. Jedes Jahr lerne ich meinen Körper noch besser kennen, baue mehr Vertrauen in meine Hand und meinen Fuß auf, schaffe Neues.

 

Ein toller Gewinn für mich:

In diesem Jahr bin ich von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe mit dem Motivationspreis 2020 ausgezeichnet worden; für meinen Blog und meine Coaching-Arbeit. Diesen Preis bekommen Betroffene, Angehörige oder auch Fachleute verliehen, die sich in besonderer Weise für das Thema Schlaganfall und den Umgang damit engagieren.

Darüber habe ich mich riesig gefreut! Vielen Dank an die Stiftung und die Jury für diese hammer Auszeichnung! Sie motiviert mich sehr, genauso weiterzumachen.

Wenn Du mehr wissen willst, schaue gerne diesen Bericht: 

Und wieder mehr Leser, mehr Zuschriften!

Auch dieses Jahr haben wieder deutlich mehr Menschen meinen Blog entdeckt, meine YouTube-Videos geschaut und auch meine Tipps und Impulse auf Facebook verfolgt.

Vielen Dank für die vielen Kommentare, Likes, Nachrichten und E-Mails, die ich von Dir bekommen habe. Sie bringen mich immer wieder zum Lächeln und auf neue Ideen.

 

Vielen Dank auch an meine Klienten!

Ich bin inzwischen seit ca. 2 Jahren Coach für Menschen mit Handicap und habe in diesem Rahmen viele Gespräche geführt, gemeinsam mit meinen Klienten effektive Trainings und Strategien entwickelt und tolle Entwicklungen mitbegleitet. Es ist einfach richtig schön zu sehen, wenn etwas, das für meine Klienten vorher völlig undenkbar war, auf einmal funktioniert (wie z.B. die Öffnung der Hand)!
Gleichzeitig begleite ich seit diesem Jahr immer wieder auch Eltern von Kindern mit körperlichem Handicap und helfe ihnen dabei, ihr Kind bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Auch diese Arbeit macht mir unglaublich viel Spaß!

Vielen Dank an dieser Stelle an meine Klienten für Euer Vertrauen und Eure Offenheit. Gemeinsam haben wir dieses Jahr einiges bewegt!

 

2020 – Wieder ein tolles Jahr!

Ich habe wieder verdammt viel über mich selbst gelernt, noch mehr ausprobiert und immer wieder kleine und größere Erfolge gefeiert. Natürlich lief auch dieses Jahr nicht alles nach Plan; Manches schaffte ich ganz schnell, anderes dauert länger als ursprünglich gedacht.

Aber vor allem hat es mir unglaublich gut gefallen! Die Verbesserung meiner Hemiparese fordert mich immer wieder aufs Neue heraus, ich werde ganz automatisch kreativ, probiere aus, verwerfe, was nicht funktioniert und entwickle neue Strategien.

 

Und das natürlich nicht allein!

Ich habe großartige Unterstützer an meiner Seite, bei denen ich mich an dieser Stelle unbedingt bedanken möchte.

Danke an meinen Coach Michaela, die mich immer wieder motiviert und stark macht, so dass ich meine Ziele weiterverfolge und die mir nach wie vor tolle und extrem hilfreiche Tipps gibt.

Danke an meinen Mann Grischa mit dem ich zusammen immer wieder kreative Ideen für den Blog entwickle, der zusammen mit mir klettern geht und all die verrückten Dinge auf der Kann-Ich-Liste mit mir durchzieht und mir dabei unglaublich viel Mut macht.

Danke auch an meine tolle Ergotherapeutin Alica und die Sporttherapeutin Denise vom Therapiezentrum Wermelskirchen; für die vielen effektiven Trainings, Motorik- und Wahrnehmungsübungen! Ihr fordert mich immer wieder heraus und spornt mich an! Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit und bin gespannt, was wir noch alles schaffen.

Vielen Dank an meine ganze Familie, die mich unterstützt, an mich glaubt und meine Erfolge mit mir feiert! Und vielen Dank an meine Mama, die regelmäßig diverse Blogbeiträge von mir korrekturliest und weitere Ideen mit mir entwickelt.

Ihr seid die Besten!

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr und bin gespannt, was ich dann so alles schaffe!

Wie war Dein Jahr 2020? Was hast Du dieses Jahr geschafft? Welche kleineren und größeren Erfolge hattest Du?

Schreibe es in die Kommentare! Ich freue mich darauf. 

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