Neulich hatte ich ein super interessantes Gespräch mit einer 16 jährigen, die ebenfalls eine rechtsseitige Hemiparese hat. Nennen wir sie hier mal Anna.
Anna kann bereits ihren betroffenen Arm und ihr betroffenes Bein gut bewegen.
Ihr ging es um etwas anderes, nämlich ihr Gesicht. Denn, wenn sie aufgeregt war, verkrampfte ihre rechte Gesichtshälfte; ganz besonders dann, wenn andere mit ihr ein Foto machen wollten.

 

Ihr größter Wunsch:

Mit Freunden Fotos zu machen, auf denen sie ganz entspannt lächelt. Wenn sie zu Hause Fotos von sich selbst schoss, konnte sie das bereits. Erst, wenn andere dazu kamen, wurde sie nervös und ihr rechter Mundwinkel verzog sich und spielte verrückt. Deshalb weigerte sie sich auch jahrelang, Fotos mit mehreren aufzunehmen.

 

Im Gespräch fanden wir heraus:

Alleine das Wort „Foto“ führte bei ihr schon dazu, dass ihr Puls hochging und sie begann, im Gesicht zu verkrampfen. Wie viel Macht Worte haben können!

Das erinnerte mich an mich, wenn ich früher das Wort „Behinderung“ hörte. Jedes Mal sauste mir ein mulmiges Gefühl durch den Magen. Heute mag ich`s immer noch nicht besonders, aber ich kann es für mich neutralisieren.

 

Der Tipp ist einfach, kann aber alles verändern:

Ich empfahl Anna, das Wort „Foto“ sofort durch ein anderes zu ersetzen. Denn dieses Wort war bei ihr schon komplett negativ assoziiert. Es zog sogar schon eine negative Körperreaktion nach sich; Foto – Verkrampfung. Ich empfahl ihr, ein Wort zu nehmen, das ihr gefiel.

Sie entschied sich für „Erinnerung schaffen“. Jedes Mal, wenn sie ab jetzt vor einer Kamera stand, schaffte sie sich Erinnerungen.
Und ich zeigte ihr noch ein paar simple Atemtechniken, die sie nutzen konnte, wenn sie doch wieder nervös wurde, sobald die Kamera kam.

Sie nahm sich vor, nach unserem Gespräch zunächst zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zu üben, entspannt vor der Kamera zu stehen; einfach mal zu schauen, was die Veränderung des Wortes „Foto“ bei ihr bewirkt.

 

Und das Ergebnis?

Wir sprachen ein paar Wochen später erneut zusammen. Und Anna berichtete mir, dass es ihr jetzt schon deutlich leichter fiele, zusammen mit ihrer Familie Erinnerungen zu schaffen. Sie schaffte es fast komplett entspannt und alleine, dass sie „Foto“ heute nicht mehr sagte, sondern stattdessen „Erinnerung schaffen“, half ihr dabei, locker zu bleiben.
Zukünftig wollte sie auch mit ihren Freunden zusammen üben, entspannt vor der Kamera zu bleiben.

 

Hammer oder?

Diese Geschichte hat mir nochmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, auf die eigene Sprache zu achten. Denn sie beeinflusst, genau wie unsere Gedanken, wie wir uns fühlen; ob wir locker und fröhlich sind oder ob wir uns in ungünstigen Momenten verkrampfen und uns selbst unbeweglicher machen.

Mein Impuls für Dich:

Und ich weiß, wenn Du mich schon länger verfolgst, hast Du ihn bestimmt schon öfter gelesen. Aber viele Dinge muss man immer wiederholen, damit sie nicht nur irgendwo im Kopf sind, sondern, damit wir in den entscheidenden Situationen auch auf sie zurückgreifen können:

Achte in den nächsten Tagen mal vermehrt auf Deine Sprache, vielleicht sogar auf einzelne Worte, die Du verwendest.
Welche Worte machen Dir ein gutes Gefühl?
Welche lösen eher negative Gefühle aus?

Und wenn Du ein Wort findest, bei dem Du besonders negativ empfindest, Dich vielleicht sogar anspannst, überlege mal:
Wie könntest Du dieses Wort in Deinem Sprachgebrauch ersetzen?

Beispiel von mir:
Statt Behinderung sage ich heute „körperliche Situation“. Diese Worte sind für mich neutral, Behinderung dagegen komplett negativ.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Beobachten Deiner Sprache. Schreibe  gerne  von Deinen Erfahrungen, in den Kommentaren.

Dieser Beitrag könnte Dich auch interessieren: Negative Gefühle leichter steuern – So geht`s!