In letzter Zeit fällt mir immer mal wieder auf, dass mir mein Umfeld ganz schön viel hilft.

Ein paar Beispiele:

Neulich war ich mit einer Freundin in einem Café in der Stadt. Wir wollten unsere Rechnung bezahlen, da fällt mir jede Menge Kleingeld herunter. Ich wollte es gerade aufheben, da kommt mir meine Freundin zuvor und hebt es an meiner Stelle auf; total nett gemeint!

Vor ein paar Tagen stand ich in der Küche und war gerade dabei, kochende Nudeln abzuschütten. Der Topf sah in meinen Händen zugegebenermaßen nicht ganz stabil aus. Mein Verlobter dachte wohl das gleiche, denn schwupps hatte ich keinen Topf mehr in der Hand. Er schüttete an meiner Stelle die Nudeln ab; wieder absolut nett gemeint.

Und, das war auch neulich: Ich besuchte eine Fortbildung. Die Leute um mich herum wussten von meiner Hemiparese. Während der Veranstaltung wurden immer wieder Stapel mit Zetteln herumgegeben. Normalerweise bekam dabei jeder den Stapel einmal in die Hand, nahm sich ein Blatt herunter und gab den Stapel an den nächsten weiter; nicht so bei mir. Ich bekam von meinen Nachbarn das Blatt jeweils direkt gereicht, ich brauchte also nicht den ganzen Stapel nehmen; auch wieder total nett gemeint.

Ich habe mir aber die Frage gestellt:
Brauche ich die Hilfe eigentlich gerade?

Oder hätte ich das nicht auch alleine schaffen können?
Kennst Du das von Dir? Dass Dir in Deinem Alltag auch viele helfen?

Versteh mich bitte richtig:

Hilfe aus dem eigenen Umfeld ist häufig ganz wichtig und hilfreich; einfach um den Alltag auch mit Hemiparese oder einer ähnlichen körperlichen Situation gut zu meistern.

Und ich bin dankbar, dass mich meine Familie und Freunde immer wieder unterstützen.

Auch mal ganz unabhängig von jeder körperlichen Situation gedacht: Wir brauchen alle mal Hilfe, keiner kommt ohne aus. Und diese 3 Situationen, die ich Dir anfangs beschrieben habe, hätten auch Menschen passieren können, die gar keine Einschränkung haben; das Kleingeldaufheben z.B. Menschen helfen sich gerne gegenseitig. Das ist hier aber nicht der Punkt!

Die Frage ist: Wieviel Unterstützung willst Du haben?

Und wo könntest Du eigentlich auch auf sie verzichten?

In allen 3 Situationen, die ich Dir am Anfang geschildert habe, hätte ich aus meiner Sicht keine Hilfe gebraucht. Ich hätte es geschafft, das Geld im Café aufzuheben, ich hätte es hinbekommen, die kochenden Nudeln abzuschütten und ich hätte mir selbst ein Blatt vom Stapel nehmen können.

Klar, vermutlich hätte ich länger gebraucht, aber ich hätte es geschafft! Vielleicht wäre es sogar ein richtig gutes Training gewesen.

Genau deshalb habe ich beschlossen, mehr auf genau solche Situationen zu achten;

Situationen, in denen mir jemand helfen will, ich diese Hilfe jedoch gar nicht brauche, um dann auch mal zu sagen:

„Hey, danke Dir, dass Du mir helfen willst. Aber ich will es selbst hinbekommen.“

Und wenn Du Lust hast: Achte in den nächsten Tagen mal vermehrt darauf:

In welchen Situationen bekommst Du eigentlich Hilfe?

Wo brauchst Du sie wirklich? Was davon tut Dir gut?

Wo benötigst Du vielleicht aber auch gar keine Hilfe und könntest die Situation nutzen, um Dich selbst herauszufordern und aktiv zu trainieren? Kleingeld aufheben kann z.B. ein richtig gutes Training sein.

Wo Dich bewusst von der Hilfe, die Du bekommst, abgrenzen?

Und ich weiß: Die Sache mit der Abgrenzung ist gar nicht so einfach!

Man will ja keinen verletzten, der einem Hilfe anbietet. Schließlich meint er oder sie es ja nur gut! Und es kostet oft Überwindung, Hilfe abzulehnen.

Meine Erfahrung: Wertschätzung bringt`s!

Wenn Du sagst: „Hey danke. Ich weiß, Du willst mir helfen. Das ist lieb von Dir. Dennoch lass es mich mal alleine versuchen. Ich schaffe das.“, dann verstehen das die meisten und lassen mich machen.

Deshalb mein Tipp:

Achte in den nächsten Tagen mal darauf:

Wobei brauchst Du Unterstützung und wobei vielleicht schon nicht mehr? Und wie könntest Du Dich bewusst von der Unterstützung abgrenzen und sagen: „Hey, lass mich mal machen. Ich schaffe das!“?

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei!

Wie ist das bei Dir? Bekommst Du auch öfter Hilfe, obwohl Du sie gerade nicht bräuchtest?

Der Blogbeitrag als Video:

Schreibe es in die Kommentare. Ich freue mich darauf.