Das Jahr 2019 ist auch wieder fast um. Jetzt schreibe ich fast 3 Jahre diesen Blog und nehme Dich mit auf die Reise zur Verbesserung meiner rechtsseitigen Hemiparese (unvollständige Halbseitenlähmung).

Doch das ist längst nicht mehr alles: Seit diesem Jahr verrate ich Dir hier auch immer wieder Strategien und Tipps aus meiner Coaching-Praxis. In der Toolbox zeige ich Dir jede Menge mentale und physische Übungen, die Du für Dein eigenes Training nutzen kannst. Und auch neu seit diesem Jahr: Die Seite für Eltern und Angehörige, auf der ich gezielt deren Themen und Anliegen anspreche und wertvolle Tipps weitergebe.

Wie gefällt es Dir bisher?

 

Lass uns heute mal zurückschauen: Was ist dieses Jahr eigentlich alles passiert?

 

Los ging`s mit meinen 5 Top-Zielen für dieses Jahr:

Ich wollte:

  • meinen rechten Ringfinger und meinen kleinen Finger einzeln bewegen können,
  • meine rechte Hand komplett drehen können,
  • besser umgreifen können / die Position eines Gegenstands in meiner rechten Hand verändern können,
  • dass meine Hand beim Greifen und Loslassen von Dingen gut aussieht (Ästhetik)
  • und ich wollte beidhändig gestikulieren üben.

 

Vieles habe ich geschafft!

Im März 2019 schaffte ich es erstmals, meinen kleinen Finger komplett einzeln zu strecken; ein super Erfolg! Schaue Dir gerne das Video dazu an:

Im Mai entdeckte ich meine absolute Lieblingsübung: Das Glassteinchentraining. Die Hand liegt dafür mit der Handinnenfläche nach unten auf dem Tisch, die Finger sind leicht gebeugt. Das Ziel: Ein Glassteinchen unter einen Finger platzieren und es mit diesem hin und herzuschieben; und das ohne, dass sich dabei die übrigen Finger mitbewegen (Danke an dieser Stelle an meine Ergotherapeutin Laura!).

Seitdem mache ich sie beinahe jeden Tag. Und das Ergebnis? Ich kann inzwischen alle meine Finger bei dieser Übung einzeln bewegen! Und auch im Alltag bewegen sich meine Finger jetzt häufiger einzeln; worüber ich mich riesig freue.

Auch die anderen Ziele habe ich verfolgt! Mein Handgelenk ist stärker und beweglicher, so dass ich inzwischen auch schwerere Gegenstände (z.B. eine gefüllte Einkaufstasche, eine volle Flasche, eine Hantel) in der rechten Hand halten kann und mein Handgelenk trotzdem in einer geraden Position bleibt. Das Ziel, das Drehen der Hand, so dass die Handinnenfläche komplett nach oben zeigt, ist weiterhin aktuell. Da darf ich noch ein bisschen weiter dran trainieren.

 

Die Konzentration und ich

Meine 3 anderen Ziele haben viiiiel mit Konzentration zu tun. Ein Beispiel – Die Ästhetik beim Greifen und Loslassen von Dingen: Mit der rechten Hand etwas greifen (z.B. ein Messer, mein Handy, einen Regenschirm) kann ich schon länger; Hand auf und zupacken. Früher überstreckten sich dabei aber immer meine Finger, was mir nicht wirklich gefiel. Auch heute tun sie das immer wieder; jedoch nicht, weil sie es müssen, sondern aus reiner Gewohnheit. Und um das zu verändern, benötige ich viel Konzentration: Hand öffnen, nicht zu weit, den Daumen weit nach außen strecken, nicht zu weit und dann im richtigen Moment den Gegenstand (das Messer, das Handy, den Regenschirm) langsam greifen. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren!

Aber es klappt immer wieder. Wenn ich mir wirklich Zeit nehme, gefällt mir meine Hand inzwischen beim Greifen und Loslassen. Jetzt geht es darum, genau das immer wieder zu üben.

 

Das gleiche gilt für mein Ziel, beidhändig zu gestikulieren. Ich bin es einfach 25 Jahre lang gewohnt gewesen, nur mit der linken Hand zu gestikulieren. Deshalb habe ich mir in Gesprächen mit der Familie oder Freunden immer wieder das Ziel gesetzt, das beidhändige Gestikulieren zu üben. Das klappt inzwischen auch schon deutlich besser.

 

Mut gehört dazu!

Mir fiel mit der Zeit auf, dass es nicht an meiner rechten Hand lag, dass ich wenig mit ihr gestikuliere; die Fähigkeiten dazu hat sie aus meiner Sicht bereits. Es lag und liegt nach wie vor viel mehr daran, dass es mich Überwindung kostet, meine rechte Hand offen zu zeigen. Früher wollte ich sie immer vor anderen verstecken; sie sollte nicht auffallen. Nun kommt sie mir ab und zu wie der „Star des Abends“ vor, weil sich die anderen dafür interessieren, welche Fortschritte ich wieder gemacht habe. Über das Interesse freue ich mich riesig, es hat jedoch einen spannenden Nebeneffekt: Ich werde nervös. Ab und zu verkrampft meine rechte Hand dann sogar, was dazu führt, dass ich sie ganz automatisch beim Gestikulieren außen vor lasse. Was ich hier brauche sind noch mehr Mut und Vertrauen in meine Hand und ihre Fähigkeiten. Und das baue ich immer weiter auf.

Mein neuestes Vorhaben: Auch mit Höhenangst klettern in der Kletterhalle; ich bin gespannt, wie das klappt und halte Dich natürlich auf dem Laufenden.

 

Herausforderung umgreifen / einen Gegenstand innerhalb der Hand bewegen

Ein großes Ziel von mir in diesem Jahr war auch das Umgreifen mit der rechten Hand. Ein Beispiel -- Ein Messer aus der Schublade nehmen und damit anschließend Paprika schneiden: Wenn ich das Messer aus der Schublade geholt habe, liegt es in meiner ganzen Hand. Um damit jetzt schneiden zu können, muss ich seine Position verändern (siehe unten in den Bildern). Zwei Finger bleiben am Messer und halten es fest, während meine anderen Finger das Messer kurz loslassen, um dann die Position des Messers so zu verändern, dass ich damit schneiden kann.

Und genau das kostet wieder unglaublich viel Konzentration. Beim Messer, bei Glasmurmeln und bei Eisstäbchen (meine Trainingsgeräte dafür) klappt es inzwischen immer öfter, anderes ist noch herausfordernd wie z.B. die Positionsveränderung eines Stifts in meiner Hand, eines Tellers oder einer Tasse. Auch ein Ziel, das ich mit ins neue Jahr nehme.

 

Gab`s auch Rückschläge?

Ja, auf jeden Fall; zum Beispiel bei der Drehung der Hand! Daran arbeitete ich viele Monate und bemerkte fast gar keine Fortschritte. Plötzlich tauchten lauter so negativer Gedanken in meinem Kopf auf, wie:

„Das klappt doch eh` nie!“
„Ich schaff das nicht!“
„Warum probiere ich`s überhaupt?“

Die Konsequenz: Meine Gedanken machten mir schlechte Gefühle und ich wollte schon mein Ziel aufgeben! Und in dieser Situation durfte ich mich selbst wieder daran erinnern, was ich meinen Klienten immer sage:

Unser Gehirn ist blockiert, wenn wir ständig negativ denken und uns nur darauf konzentrieren, was noch nicht läuft! Um vorwärts zu kommen, brauchen wir einfach gute Gefühle, wir brauchen die richtigen Botenstoffe im Gehirn, um überhaupt kreativ zu werden und neue Wege und Lösungen zu finden!

Und genau deshalb habe ich meinen Fokus auch wieder verändert; weg von den Zweifeln hin zu den Erfolgen, die ich an anderer Stelle sammelte. Ich dokumentierte wirklich jeden kleinsten Erfolg und las sie mir regelmäßig durch. Daraufhin fühlte mich wieder besser und fing erneut an, an meiner Handdrehung zu arbeiten.

Und weil Erfolge so positive Gefühle auslösen, geht`s jetzt auch gleich damit weiter! 😉

 

Weitere Erfolge in diesem Jahr:

  • Ich kann jetzt mit rechts den Schalthebel meines Automatikfahrzeugs bedienen (z.B. vom Vorwärtsgang in den Rückwärtsgang oder in den Parkmodus).
  • Mein Arm ist kräftiger und stärker geworden.
  • Ich spüre meine Schulter viel besser und kann sie gezielter bewegen.
  • Meine Hüften sind lockerer und beweglicher geworden; Beim Tanzen mache ich inzwischen eine richtig gute Figur ;).

 

Neuer Fokus, neue Erfolge: Training mit Bein und Fuß

Im April diesen Jahres ging ich mit meinem Verlobten im Wald spazieren, als er plötzlich auf die Idee kam, einen kleinen Berg abseits des Wegs hochzuklettern. Ich hielt es zunächst für einen Scherz, aber er meinte es total ernst! Mir schlotterten die Knie; einen Berg hochklettern ohne jegliche Absicherung, ganz tolle Idee!

Erst wollte ich es gar nicht erst versuchen, doch mein Verlobter war sehr überzeugend! Und ich schaffte es tatsächlich! Ich kletterte den ersten Berg hoch und es machte mir sogar Spaß! Und an dem Tag war für mich klar: Ich will mehr Vertrauen in meinen Körper aufbauen, vor allem in mein rechtes Bein und meinen rechten Fuß! Ich will mich mehr trauen, ich will steilere Berge hochkommen.

 

Seitdem konzentriere ich mich bei der Verbesserung nicht mehr nur auf die Hand, sondern auch auf mein Bein! Im Verlauf des Jahres kletterte ich noch viele Berge hoch, übte balancieren, springen und verbesserte mein Gleichgewicht. Parallel dazu dehnte ich immer wieder meine Achillessehne, um noch mehr Beweglichkeit in meinen Fuß zu bekommen.

Einen Einblick findest Du hier in diesem Video:

Ohne es mir vorgenommen zu haben, erreichte ich dieses Jahr viele Erfolge mit meinem rechten Bein: Es ist viel stärker geworden, das Gleichgewicht auf ihm zu halten fällt mir leichter (ich schaffe es inzwischen 15 Sekunden lang nur auf meinem rechten Bein zu stehen) und mein Vertrauen in meinen rechten Fuß steigt auch immer mehr.

 

Ich bin nach wie vor im Prozess!

Viele meiner körperlichen Ziele habe ich schon erreicht. Jetzt geht es immer mehr um die Feinheiten; noch gezielter greifen, die Hand noch ein Stück mehr drehen, noch mehr Vertrauen in den Fuß und seine Beweglichkeit aufbauen. Und genau das steht nächstes Jahr an!

Ich bin noch nicht an meinem endgültigen Ziel angekommen. Die Reise geht weiter und das ist auch gut so! Denn sie ist für mich bisher mit jeder Menge neuen Erfahrungen verbunden. Ich lerne meinen Körper immer besser kennen. Und ich habe nach wie vor mega Spaß dabei, mir neue Ziele zu setzen, herauszufinden, wie ich dort hinkomme, Erfolge zu sammeln, manchmal zu scheitern, wieder aufzustehen und mit neuer Energie weiterzumachen.

 

Kann-Ich-Projekt Kanufahren – Es hat endlich geklappt!

Wenn Du häufiger meinen Blog verfolgst, hast Du bestimmt mitbekommen, dass ich vor einiger Zeit meine Kann-Ich-Liste entwickelt habe. Auf dieser Liste halte ich Aktivitäten und Sportarten fest, vor denen ich eigentlich Angst habe, die ich aber trotzdem ausprobieren will. Das Ziel auch hierbei: das Vertrauen in meinen Körper stärken.

Dieses Jahr bin ich das Projekt Kanufahren angegangen und es war ein voller Erfolg mit Spaßfaktor. Sieh selbst, vielleicht ist es auch ein zukünftiges Projekt für Dich:

 

Wieder mehr Leser und mehr Zuschriften!

Ich bin so glücklich, dass auch in diesem Jahr wieder deutlich mehr Menschen meinen Blog lesen, meinen YouTube-Kanal verfolgen und mich auch via Facebook auf meiner Reise begleiten. Vielen Dank für die Kommentare, Likes und alle E-Mails und Nachrichten, die ich von Dir bekomme! Das motiviert mich immer sehr und bringt mich jedes Mal zum Lächeln!

 

Und auch in diesem Jahr habe ich einige Coaching-Erfahrung gesammelt!

Seit etwa anderthalb Jahren bin ich jetzt Coach und helfe anderen Menschen mit Handicap dabei, dieses aktiv zu verbessern. Und das ist der Hammer! Ich liebe es, Menschen auf dem Weg zu ihren Zielen zu begleiten, sie zu motivieren und ihnen wirklich helfen zu können! Es ist toll zu sehen, wenn etwas, das für meinen Klienten vorher völlig undenkbar war, auf einmal funktioniert (wie z.B. die Öffnung der Hand)!

 

2019 – Ein tolles Jahr!

Ich habe wieder so viel über mich selbst gelernt, viel ausprobiert und immer wieder kleine und große Erfolge gefeiert. Natürlich lief auch dieses Jahr nicht alles nach Plan; Manches schaffte ich ganz schnell, anderes dauert länger als ursprünglich gedacht.

Aber vor allem hat es mir unglaublich gut gefallen! Die Verbesserung meiner Hemiparese fordert mich immer wieder aufs Neue heraus, ich werde ganz automatisch kreativ, probiere aus, verwerfe, was nicht funktioniert und entwickle neue Strategien.

 

Und das natürlich nicht alleine!

Ich habe jetzt seit einiger Zeit jede Menge tolle Unterstützer in meiner Umgebung. Und an dieser Stelle will ich mich unbedingt bei Euch bedanken!

Danke an meinen Coach Michaela, die mich immer wieder zu neuen Projekten animiert, mich motiviert, mich stark macht, so dass ich meine Ziele auch wirklich angehen kann und mir viele tolle und hilfreiche Tipps gibt.

Danke auch an meine hammer Ergotherapeutin Laura und die Sporttherapeutin Denise vom Therapiezentrum Wermelskirchen; für die vielen effektiven Trainings, Motorik- und Wahrnehmungsübungen! Ihr fordert mich immer wieder heraus und spornt mich an! Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit und bin gespannt, was wir noch alles schaffen.

Vielen Dank auch an meinen Verlobten Grischa, mit dem ich zusammen immer wieder kreative Ideen für den Blog entwickle, der zusammen mit mir klettern geht und all die verrückten Dinge auf der Kann-Ich-Liste mit mir durchzieht und mir dabei unglaublich viel Mut macht.

Vielen Dank an meine ganze Familie, die mich unterstützt, an mich glaubt und meine Erfolge mit mir feiert! Und vielen Dank an meine Mama, die regelmäßig diverse Blogbeiträge von mir korrekturliest und weitere Ideen mit mir entwickelt.

Ihr seid die Besten!

 

 

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr und bin gespannt, was ich dann so alles schaffe!

 

 

Wie war Dein Jahr 2019? Welche Erfolge hast Du gesammelt?

Schreibe es in die Kommentare!