Ich habe neulich ein super interessantes Modell kennengelernt; das Modell der inneren Antreiber. Innere Antreiber, das sind elterliche Forderungen. Wir kennen sie aus unserer Kindheit.

 

Es sind Sätze wie:

„Sei stark!”
„Sei perfekt!”
„Mach es allen recht!”
„Beeil Dich!”
„Streng Dich an!”

Kommt Dir der ein oder andere Satz bekannt vor?

Wenn wir Botschaften wie diese oder ähnliche in der Kindheit von unseren Eltern mitbekommen (sei es dadurch, dass sie sie uns sagen oder sie sie uns bewusst oder unbewusst vorleben), versuchen wir sie zu erfüllen. Wir hinterfragen sie nicht.
Und so ist der ein oder andere Antreiber auch im Erwachsenenalter noch präsent; je nachdem welche wir besonders oft von unseren Eltern gehört haben.

 

Innere Antreiber repräsentieren eigentlich positive Eigenschaften:

Z.B. Stärke und Unabhängigkeit („Sei stark!”), Genauigkeit und Fehlerlosigkeit („Sei perfekt!”) oder auch Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit („Mach es allen recht!”).

 

Aber innere Antreiber können im Erwachsenenalter auch zu einer Behinderung werden!

Nämlich genau dann, wenn wir sie zu stark ausleben; Wenn wir uns selbst nur dann gut und angenommen fühlen, wenn wir sie erfüllen.

Einer Person, die beispielsweise den Antreiber hat: „Mach es allen recht”, fällt es häufig schwer, Nein zu sagen, die oberste Priorität: Dem anderen geht es gut. Die eigenen Bedürfnisse werden oft hinten angestellt.

Eine Person, die den Antreiber verinnerlicht hat: „Sei stark!”, hat oftmals das Gefühl, mit allem alleine klarkommen zu müssen, hat Angst, Gefühle zu zeigen, beißt die Zähne zusammen.

Und eine Person mit dem Antreiber „Beeil Dich!” ist ständig in Bewegung, macht gerne gleich mehrere Dinge auf einmal, hat das Gefühl, keine Zeit verschwenden zu dürfen. Alles muss schnell gehen.

Hast Du schon eine Idee, welchen der Antreiber Du in Deiner Kindheit besonders oft gehört hast?

 

Mein Antreiber: „Sei perfekt.”

Wenn ich etwas mache, dann möglichst fehlerfrei, richtig und gründlich; eigentlich ja eine super Arbeitseinstellung, die mich auch schon weit gebracht hat; durch meine Schulzeit, durchs Abi, durchs Studium, durch meine Ausbildung.

Das Problem: Dieser Satz („Sei perfekt.”) behindert mich auch immer wieder; nämlich immer dann, wenn ich mit meiner eigenen Leistung mal nicht zufrieden bin. Früher war das so, wenn ich eine schlechte Note bekam, heute ist das manchmal so, wenn ich eines meiner körperlichen Ziele (z.B. Hand drehen können, Finger einzeln bewegen) nicht rechtzeitig erreiche. Dann macht mir dieser Antreiber einfach schlechte Gefühle.

 

Erster Schritt: Bewusstmachung!

Wenn ich weiß, welche Sätze mich antreiben, dann habe ich die Möglichkeit, sie bewusst zu hinterfragen;
Warum muss ich eigentlich immer perfekt sein? Reicht nicht gut manchmal auch aus?
Warum muss ich stark sein? Darf ich nicht auch mal schwach sein?
Warum muss ich es immer allen recht machen? Wo bleibe ich? Wann mache ich es mir recht?

Und wenn wir Sätze wie diese hinterfragen, dann haben sie nicht mehr diese Macht! Wir haben die Wahl und können selbst entscheiden: Will ich diesen Antreiber gerade erfüllen oder nicht?

 

Zweiter Schritt: Entwickle Erlauber-Sätze!

Eine sehr effektive Methode, mit der ich selbst arbeite, die ich aber auch immer wieder meinen Klienten empfehle: Erlauber-Sätze. Das sind Sätze, die wir uns selbst kreieren und die dabei helfen, den eigenen Antreiber abzumildern.

Eine Person, die z.B. den Antreiber verinnerlicht hat: „Mach es allen recht.”, entwickelt für sich z.B. folgende Erlauber-Sätze:
„Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig, wie die der anderen.” oder
„Ich darf auch mal Nein sagen.”

Eine andere Person, die den Antreiber hat: „Sei perfekt.”, entwickelt für sich Erlauber-Sätze wie:
„Gut ist gut genug.” oder
„Ich darf Fehler machen und draus lernen.”

 

Und genau diese Erlauber-Sätze sagt sich die Person immer wieder ganz bewusst vor;

z.B. jeden Morgen nach dem Aufstehen beim ersten Blick in den Spiegel. Und wenn sie das eine Zeit lang tut, speichern sich diese Sätze in ihrem Gehirn bzw. in ihrem Unterbewusstsein ab. Und dort wirken sie dann auch; sie erlauben.

Sie erlauben uns, auch mal schwach zu sein („Sei stark!”), Fehler zu machen („Sei perfekt.”), die eigenen Bedürfnisse wichtiger zu nehmen („Mach es allen recht.”), sich Zeit zu nehmen („Beeil Dich!”) und gelassener zu sein („Streng Dich an!”).

 

Was heißt das jetzt für Dich?

Kennst Du den ein oder anderen Antreiber aus Deiner Kindheit? Konntest Du vielleicht schon einen Antreiber finden, der bis heute in Dir wirkt; der Dich vielleicht auch ab und an behindert?

Wenn ja, dann hier mein Tipp für Dich: Kreiere auch für Dich einen oder mehrere Erlauber-Sätze, die Du Dir immer wieder vorsagst. Stelle Dich dafür am besten vor den Spiegel. Dann brennen sich Deine Sätze schneller und tiefer in Dein Unterbewusstsein.

Falls das nichts für Dich ist, kann es auch hilfreich sein, Dir Deinen Erlauber-Satz genau dann vorzusagen, wenn Du merkst: „Gerade ist mein Antreiber wieder aktiv.”

Ein Beispiel:
Wenn Du den Antreiber verinnerlicht hast „Beeil Dich!” und Du merkst, Du hast gerade mal wieder den Anspruch an Dich, alles ganz schnell zu erledigen, dann sage Dir innerlich mehrfach hintereinander: „Ich darf mir Zeit nehmen. Ich darf mir Zeit nehmen.”

Und dann beobachte mal, was sich dadurch verändert.

Wenn Du mehr Infos rund um die inneren Antreiber haben und Du testen willst, welchen Antreiber Du verinnerlicht hast, schau mal hier nach:

Hier geht`s zum Antreiber-Test!

 

 

Welche Antreiber hast Du bei Dir entdeckt? Was hältst Du von dem Tipp mit den Erlauber-Sätzen?

Schreibe es in die Kommentare! Ich freue mich darauf.