Ja! Normal halt!

Wenn ich mit meinen Klienten über ihre Ziele spreche, wird häufig gesagt:
„Ich möchte wieder normal laufen können.“
„Ich will meine Hand normal öffnen können.“
„Ich will ganz normal mit Messer und Gabel essen können.“

 

Wir nutzen das Wort „normal“ ziemlich oft!

Ich höre mich es auch immer wieder sagen:
„Inzwischen kann ich ganz normal Auto fahren.“
„Ich gebe anderen Menschen ganz normal die rechte Hand.“
„Ich kann fast normal laufen.“

 

Aber was heißt normal eigentlich?

Das Wort normal hat eigentlich gar keine richtige Bedeutung. Es lässt sich lediglich ableiten von dem Begriff „Norm“ oder auch „der Norm entsprechend“. Und Norm kann man in etwa übersetzen mit: „So wie die Meisten“.

Das heißt, wenn man normal ist, ist man einfach wie die meisten anderen Menschen.

 

Und wenn man nicht normal ist, ist man ver-rückt;

ver-rückt von der Norm (witziges Wortspiel oder? ;)).

Man ist einfach anders als die Meisten; ganz ohne Bewertung.

 

Die Bewertung machen wir!

Wir bewerten normal sein meistens als positiv und erstrebenswert (z.B. „Ich will normal laufen können.“). Wir fühlen uns gut, wenn wir normal sind, wir fühlen uns angenommen.

Anders sein bewerten wir ebenfalls; allerdings oftmals negativ. Wir wollen nicht anders oder gar unnormal sein.

 

In Coachings und Gesprächen stelle ich oft fest: Viele Menschen mit einer besonderen körperlichen Situation bewerten sich selbst als unnormal.

Ich merke das an Sätzen wie:

„Ich kann nicht normal laufen.“
„Meine Hand sieht komisch aus, überhaupt nicht normal.“
„Ich würde gerne einfach normal sein.“

Und hier liegt das Problem: Menschen mit körperlichen Situationen werten sich durch Begriffe wie unnormal oder nicht normal selbst ab. Sie fühlen sich schlecht, vielleicht sogar weniger wert als die Menschen, die sie für vermeintlich normal halten. Sie sind im Mangel.

 

Deshalb ist es mir so wichtig, sich mehr mit dem Begriff auseinanderzusetzen!

Denn „normal“ ist eigentlich, genauso wie „anders“, ein neutraler Begriff. Normal zu sein bedeutet lediglich zu sein wie die Meisten. Die Bewertung (normal – gut / anders, unnormal – schlecht) nehmen wir vor. Und insofern können wir uns auch entscheiden, ob wir diese Bewertung so beibehalten wollen oder eben auch nicht.

Wenn ich im Coaching feststelle, der Klient ist aufgrund der Begrifflichkeit im Mangel (z.B. „Ich wäre gerne einfach normal.“), macht es natürlich Sinn, seine Bewertung des Wortes normal genauer anzuschauen und auch zu verändern.

 

Auch witzig: Normal ist nicht gleich normal!

Wenn einer meiner Klienten zu mir sagt: „Ich möchte meine Hand normal bewegen können.“, was heißt das eigentlich? Was heißt für ihn normal bewegen können?

Für den einen bedeutet das, den Arm komplett ausstrecken und wieder beugen zu können, für den anderen bedeutet das, den Arm drehen zu können. Normal bedeutet für den einen dies, für den anderen das.

Im Coaching ist es daher wichtig herauszufinden, von welcher Definition von normal mein Klient ausgeht. Deshalb frage ich immer: „Was meinst Du genau mit normal?“ oder auch „Woran merkst Du, dass Du Deinen Arm normal bewegen kannst?“

 

Ich habe gemerkt: Wir nutzen die Worte normal bzw. unnormal ziemlich oft!

Und wenn auch Du Dich immer mal wieder sagen hörst:

„Das ist normal.“, „Das ist unnormal.“ oder auch „Ich würde gerne diese und das können normal können.“, frage Dich mal:
Was bedeutet normal für Dich?
Was löst es in Dir aus?
Wie bewertest Du es?

 

 

Ich freue mich auf Deinen Kommentar zum Thema!

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  1. Dirk Wilhelms

    Ich sage dieses auch ziemlich oft.
    ,,Ich will meine Hand normal bewegen.
    Aber eigentlich ist normal sein(wenn ich das mal so sagen darf) für’n Arsch.

    ..Sei du selbst, die anderen gibt es schon“

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