Hemiparese aktiv verbessern – durch Backen?!

Mein Freund hatte neulich Geburtstag. Für nachmittags lud er seine Familie und seine Freunde zum gemeinsamen Kuchenessen ein. Die Grundvoraussetzung dafür: natürlich Kuchen; und der musste erst einmal gebacken werden.

 

Ich stehe eigentlich so gar nicht auf Backen!

Es ist einfach nicht mein Ding; dieses Abwiegen, nicht zu viel, nicht zu wenig, dann das Verrühren der Zutaten, das Kneten und Ausrollen und später das ganze Saubermachen… Aber dieses Mal hatte ich einen Anreiz: Ich wollte mich testen; oder viel eher meine rechte Hand. Ich wollte wissen, wie viel sie inzwischen kann. Und genau deshalb erklärte ich mich dazu bereit, meinen Lieblingskuchen zu backen, Käsekuchen. Ich nahm mir vor, das, was ich normalerweise mit der linken Hand mache, jetzt mal mit der rechten Hand zu übernehmen. Ein großes Projekt!

 

Also Ärmel hochkrempeln und los geht`s mit dem Teig!

Die Zutaten lagen bereit, die Wage stand auf der Ablage, die Rührschüsseln daneben. Ich rief die Chefkoch-App in meinem Handy auf und legte mit dem Teig los. Zuerst das Mehl, dann der Zucker, Margarine, ein Ei und schließlich Backpulver. Die Zutaten sind einfach, das Einfüllen dieser mit der rechten Hand gestaltete sich allerdings herausfordernder.

 

Meistens benötigte ich doch zwei Hände.

Die Boxen, in denen sich Mehl und Zucker befanden, waren einfach zu schwer für meine rechte Hand. An dieser Stelle half meine linke Hand mit. Auch beim Ei aufschlagen oder beim Öffnen der Backpulver-Verpackung benötigte ich zwei Hände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute arbeiteten sie aber im Team!

Beim Ei aufschlagen beispielsweise war meine rechte Hand früher immer komplett verkrampft. Die Seite des Eis, die ich in der rechten Hand hielt, landete während des Aufschlagens meist vollkommen kaputt und zerbröselt in der Schüssel. Ich hatte sie einfach losgelassen. Heute blieben die Schalenreste ganz und in meinen beiden Händen. Sie landeten nicht im Teig. Ein erster großer Erfolg für mich!

 

 

 

 

 

 

Die Hauptarbeit überließ ich aber tatsächlich der rechten Hand!

Mit ihr schaffte ich es, die Margarine abzuwiegen, mit ihr füllte ich das Backpulver in die Schüssel und ich schaffte es sogar, den Mixer mit der rechten Hand zu bedienen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mixer und ich

Als ich den Mixer zum ersten Mal mit der rechten Hand hielt und ihn anmachte, zuckte ich kurz zusammen. Dabei spritzte ein kleiner Teil des Teigs auf die Arbeitsplatte. Die Eigenbewegungen des Mixers waren sehr ungewohnt für meine rechte Hand. Ich musste mich erst daran gewöhnen. Doch dann funktionierte es. Ich rührte den Teig mit meiner rechten Hand; der Hammer. Das hätte ich mir früher nie zugetraut.

 

Dann das Kneten…

Als nächstes ging es darum, den zerbröselten Teig zu einer Masse zu formen; auch das mit beiden Händen. Es dauerte einige Zeit. Nicht nur, weil meine rechte Hand die Hauptarbeit übernahm, sondern auch, weil der Teig sehr widerspenstig war. Er klebte an meinen Fingern, die einzelnen Brösel wollten aber einfach nicht aneinander kleben. Erst nach circa 10 Minuten war ich zufrieden. Gegen Ende hat dann schließlich doch meine linke Hand die Hauptarbeit übernommen. Meiner rechten Hand fehlte die Kraft.

 

 

 

 

 

 

Und dann war die die Füllung dran!

Auch hierfür standen die Zutaten schon bereit: Margarine, Zucker, Vanillinzucker, Vanillepuddingpulver, Eier, Quak, saure und süße Sahne.

Jetzt hatte ich schon Übung. Mir fiel es leichter, viel mit der rechten Hand zu arbeiten. Einmal schaffte ich es sogar, die Box mit dem Zucker nur mit der rechten Hand anzuheben und die richtige Menge in die Rührschüssel hineinzufüllen; zugegeben, sie war jetzt etwas leichter als noch beim Teig.

 

 

 

 

 

 

Ich werde multitasking!

Beim Mixen der Zutaten gelang es mir schließlich, mit der rechten Hand zu mixen, während meine linke Hand nach und nach erst den Quak, dann die süße und saure Sahne in den Topf goss! Jetzt funktionierten meine Hände echt mal wie ein richtig gutes Team! Dieses Gefühl kannte ich kaum, total klasse!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim Ausrollen ließ meine Kraft langsam nach!

Jetzt war auch die Füllung des Kuchens fertig. Ich musste nur noch den Teig in der Form ausrollen, die Füllung hineinfüllen und den Kuchen in den Ofen schieben. Vorher schmierte ich den Rand der Form mit Butter ein; auch das mit rechts.

 

 

 

 

 

Doch ich verlor langsam meine Kraft in der rechten Hand. Sie wurde etwas steif und ich hatte weniger Kontrolle über ihre Bewegungen. Beim Ausrollen des Teigs arbeitete ich deshalb wieder vermehrt mit meiner linken Hand. Ich nahm es meiner rechten Hand aber nicht übel. Bis hier hatte sie wunderbar funktioniert.

 

Jetzt nur noch die Füllung rein…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… und schon kam der Kuchen in den Ofen.

 

Mein Fazit: Backen ist ein perfektes Training im Alltag!

Klar, um diesen Kuchen fertigzustellen, hat es länger gedauert als sonst. Meine linke Hand ist routiniert darin, schnell und ohne die Hilfe der rechten Hand zu arbeiten. Um Schnelligkeit ging es mir bei diesem Experiment aber nicht. Viel mehr ging es darum, einmal bewusst den Fokus auf meine rechte Hand zu legen. Ich wollte wissen, wie viel ich in den letzten Monaten mit ihr gelernt hatte und was sie schon konnte. Dabei stellte ich fest: Meine Hand ist heute viel fitter und schneller als früher. Ich benötige nach wie vor viel Konzentration, um sie gezielt einzusetzen, aber dann funktioniert sie schon echt gut!

 

Deshalb mein Tipp für Dich:

Setze beim Backen und Kochen mehr Deine besondere Hand ein. Backen und Kochen tust Du vermutlich sowieso. Diese Situationen kannst Du super nutzen, um Deine Hand im Alltag zu stärken und zu trainieren.

 

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg dabei!

 

 

Oder setzt Du Deine besondere Hand schon regelmäßig ein, wenn Du kochst oder backst? Welche Erfahrungen hast Du bereits damit gemacht?

Schreibe gerne einen Kommentar unter diesen Eintrag. Ich freue mich sehr darauf!

 

Ps.: Hier der fertige Kuchen: Er war einfach köstlich!

Wenn Du gerade auf der Suche nach einem tollen Käsekuchen-Rezept bist, hier meine Empfehlung: Der beste Käsekuchen der Welt.

 

 

 

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Kraftaufbau mit Hemiparese – So geht`s!

  1. Kaya

    Es ist toll zu lesen welche Fortschritte du machst! Ich selber habe auch eine Hemiparese und bin aber erst dabei das Handgelenk richtig zuhalten und die Schultern zu entspannen.

    • Janina Wisniewski

      Hey Kaya,

      vielen vielen Dank für Deinen motivierenden Kommentar! Ich freue mich sehr darüber.
      Ah, Du hast auch Hemiparese. Wenn Du Lust hast, schreibe mir gerne mal eine E-Mail an info@wie-behindert-bist-du-eigentlich.de. Dann kann ich Dir noch den ein oder anderen Tipp geben, wie Du vielleicht schneller voran kommst.

      Ich wünsche Dir viel Erfolg beim weiteren Training! Bleib dran.

      Viele Grüße,
      Janina

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