Wie behindert bist du eigentlich?!

Eine Schulbegleitung für mein Kind? Die Vorteile

Falls Dein Kind dieses oder nächstes Jahr in die Schule kommt, hast Du Dich vielleicht schon häufiger gefragt:

„Braucht mein Kind eine Schulbegleitung/ Schulassistenz/ Integrationskraft? Oder geht`s auch ohne?“

Eine knifflige Frage, die natürlich von jedem Kind individuell abhängt. Davon, wie viel Unterstützung es braucht, wie alt es ist, was es sich selbst wünscht, manchmal auch davon, was die Schule sich vorstellt.
Viele Kinder mit Handicap haben, gerade am Anfang eine, andere wiederum kommen ohne aus.
Manche Schulen setzen die Assistenz/ Begleitung für`s Kind für den Schulbesuch voraus, andere wiederum sind offen dafür, es ohne auszuprobieren.

Ich habe mir gedacht: Lass` uns heute und in zwei Wochen mal näher auf dieses Thema schauen! Auf die Vorteile und auch die möglichen Nachteile.
Möglicherweise hilft Dir das dabei, mit Deiner Entscheidung für oder gegen eine Assistenz weiterzukommen.

Vorab: Was ist eine Schulassistenz?

Eine Schulassistenz, auch bekannt als Schulbegleitung oder Integrationskraft (I-Kraft), begleitet ein Kind innerhalb der Schule, unterstützt im Unterricht und bei der Bewältigung des Schulalltags.

Wenn das Kind beispielsweise nicht dazu in der Lage ist, seine Schultasche zu tragen oder sie ein- und auszuräumen, übernimmt das die Assistenz.
Wenn es sich nicht konzentrieren kann, hilft sie, die Aufmerksamkeit zurück auf den Unterricht zu lenken.
Wenn es im Sportunterricht etwas nicht schafft, kann die Assistenz es unterstützen.
Oder, wenn es Schwierigkeiten in der Kommunikation hat, hilft sie bei der Vermittlung zwischen dem Kind, den Lehrkräften und/oder anderen MitschülerInnen.

Die Schulassistenz ist eine Leistung der Eingliederungshilfe im Rahmen der Teilhabe an Bildung. Sie wird in der Regel vom Eingliederungshilfeträger bezahlt und muss dort beantragt werden. Meist ist dieser Träger entweder das Jugendamt (bei Kindern mit psychischer Beeinträchtigung) oder das Sozialamt (bei Kindern mit körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigung).

Vorteile einer Schulassistenz:

Ein paar Beispiele:

1. Geschützter Rahmen

Vielen Kindern kann eine Schulassistenz Sicherheit im Schulalltag geben. Sie haben eine vertraute Person an ihrer Seite, die sie bei Bedarf oder auch in Krisen unterstützen kann.

Die Assistenz kann außerdem helfen, wenn Dein Kind aufgrund seines Handicaps mal nicht schnell genug ist – etwa beim Jacke-Anziehen, beim Aufräumen des Schülerpults, beim Verstehen einer bestimmten Aufgabe. Auch das kann Sicherheit geben und das Kind bestärken.

2. Das Kind kann ggf. mehr mitmachen!

Gerade im Sportunterricht ist es für die Lehrkraft manchmal knifflig, alle SchülerInnen individuell zu unterstützen. Hier könnte die Assistenz Dein Kind bei den Übungen begleiten, so dass es in jedem Fall mitmachen kann.
Gleiches gilt natürlich für andere Fächer, in denen es mehr Unterstützung braucht.

Ein Punkt, der vor und nach dem Sportunterricht relevant sein könnte, aber auch beim Toilettengang: Eine Schulassistentin, die einen Jungen begleitet, darf unter Umständen nicht in die Jungen-Umkleide oder Toilette, um ihm beim Umziehen zu helfen.
Genauso andersherum, bei der Schulbegleitung eines Mädchens.

Die Regeln für das Betreten einer Umkleide und Toilette legen die Schulen meist selbst fest.
Sollte das Kind während des Umziehens Unterstützung brauchen, wäre eine gleichgeschlechtliche Schulbegleitung ggf. sinnvoll.

3. Nicht nur das Kind, auch Eltern haben eine Ansprechperson!

Wenn die Assistenz fest für Dein Kind zuständig ist, hast Du als Mama/Papa ebenfalls eine Ansprechperson, die täglich den Schulalltag erlebt und mit begleitet. Sie kann im Blick behalten, wie es Deinem Kind geht, wie es zurechtkommt, ob es weitere Hilfe benötigt oder weniger.

Du und die Assistenz könnt gemeinsam schauen, welche Unterstützung für Dein Kind die richtige ist, ggf. sogar Pläne machen, wie Dein Kind noch selbstständiger werden kann.
Das gibt möglicherweise auch Dir als Mama/Papa mehr Sicherheit, Du weißt, Dein Kind ist während der Schulzeit gut aufgehoben.

Darüber hinaus könnte die Schulassistenz bei Bedarf auch zwischen Dir und den Lehrkräften vermitteln, vielleicht sogar die Kommunikation verbessern.
Wobei es hier natürlich darauf ankommt, wer die Schulassistenz übernimmt, wie alt diese Person ist und welche Stärken sie mitbringt.
Nicht jede Assistenz kann alles.
Häufig sind SchulbegleiterInnen noch relativ jung und benötigen keine besondere Vorbildung. Und dennoch können sie in vielen Bereichen eine wertvolle Unterstützung sein.

4. Viele Kinder im Grundschulalter finden eine Schulassistenz völlig okay!

Eventuell beschäftigt Dich auch der Gedanke: „Wie werden die anderen SchülerInnen auf die Assistenz meines Kindes reagieren?“ oder auch: „Wie findet mein Kind es eigentlich, wenn es permanent mit Assistenz herumläuft?“

Vorab: Eine Assistenz muss nicht zwingend permanent beim Kind sein. Sie ist da, wenn es Hilfe braucht, kann sich aber auch zurückziehen und im Hintergrund aufhalten, wenn sie gerade nicht gebraucht wird (z.B. in den Pausen, beim Spielen mit anderen Kindern).

Für viele Kinder im Grundschulalter ist es inzwischen ganz normal, dass Schulassistenzen mit im Unterricht sind. Nicht selten gibt es mehrere Kinder mit Begleitung in einer Klasse.
Wenn erklärt wird, warum die Assistenz da ist, wobei sie hilft, gehört sie häufig einfach zum Schulalltag und zur Klasse dazu.

Ich selbst war während meines Studiums für ein paar Tage als Schulassistenz tätig und habe eine Zweitklässlerin mit Diabetes begleitet. Innerhalb von zwei Tagen war ich von dem Mädchen und den anderen SchülerInnen vollkommen akzeptiert. Es war normal für sie, dass ich da war.

5. Die Lehrkraft ist entlastet!

Strenggenommen ist das kein direkter Vorteil für Dein Kind oder Dich, aber ggf. für die gesamte Klasse. Denn Lehrkräfte müssen sich um alle SchülerInnen innerhalb einer Klasse kümmern und können daher gar nicht auf jede(n) individuell eingehen. Eine Schulassistenz kann genau hier helfen, denn sie ist dafür da, Dein Kind passgenau zu unterstützen.
Dadurch haben die Lehrkräfte die Möglichkeit, sich stärker auf den Unterricht und die Vermittlung des Stoffs zu konzentrieren.

Falls Dein Kind ab und an für „Störungen“ des Unterrichts sorgt, könnte die Assistenz auch hier helfen, indem sie es daran erinnert, dem Unterricht weiter zu folgen. Der Unterricht könnte so ggf. insgesamt entspannter und reibungsloser ablaufen.

Neben diesen Vorteilen, gibt es natürlich noch weitere…

Es würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn wir jeden einzelnen unter die Lupe nehmen. Viele Vorteile sind ja auch individuell und immer abhängig von Deinem Kind und seinen Bedürfnissen.

Was jedoch wichtig ist: Die Assistenz ist dann besonders wertvoll, wenn die Chemie zwischen Deinem Kind, der Assistenz und Dir stimmt und ihr alle ein gutes oder zumindest neutrales Gefühl dabei habt!

Klar ist aber auch, dass man sich die Schulbegleitung nicht immer aussuchen kann, denn auch hier herrscht nicht selten Personalmangel. Und da sind wir schon fast bei dem Blogbeitrag für Eltern in zwei Wochen…

Dann geht`s erneut um das Thema Schulassistenz. Wir werfen einen Blick auf die möglichen Nachteile einer Schulbegleitung und Du bekommst noch ein paar Tipps rund um das Thema Schulassistenz.

Dir bis dahin eine gute Zeit und viel Erfolg bei Deinen weiteren Überlegungen!

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