Kategorie: Aus der Coaching-Praxis (Seite 1 von 7)

Und manchmal ist ein einzelnes Wort die Lösung!

Neulich hatte ich ein super interessantes Gespräch mit einer 16 jährigen, die ebenfalls eine rechtsseitige Hemiparese hat. Nennen wir sie hier mal Anna.
Anna kann bereits ihren betroffenen Arm und ihr betroffenes Bein gut bewegen.
Ihr ging es um etwas anderes, nämlich ihr Gesicht. Denn, wenn sie aufgeregt war, verkrampfte ihre rechte Gesichtshälfte; ganz besonders dann, wenn andere mit ihr ein Foto machen wollten.

 

Ihr größter Wunsch:

Mit Freunden Fotos zu machen, auf denen sie ganz entspannt lächelt. Wenn sie zu Hause Fotos von sich selbst schoss, konnte sie das bereits. Erst, wenn andere dazu kamen, wurde sie nervös und ihr rechter Mundwinkel verzog sich und spielte verrückt. Deshalb weigerte sie sich auch jahrelang, Fotos mit mehreren aufzunehmen.

 

Im Gespräch fanden wir heraus:

Alleine das Wort „Foto“ führte bei ihr schon dazu, dass ihr Puls hochging und sie begann, im Gesicht zu verkrampfen. Wie viel Macht Worte haben können!

Das erinnerte mich an mich, wenn ich früher das Wort „Behinderung“ hörte. Jedes Mal sauste mir ein mulmiges Gefühl durch den Magen. Heute mag ich`s immer noch nicht besonders, aber ich kann es für mich neutralisieren.

 

Der Tipp ist einfach, kann aber alles verändern:

Ich empfahl Anna, das Wort „Foto“ sofort durch ein anderes zu ersetzen. Denn dieses Wort war bei ihr schon komplett negativ assoziiert. Es zog sogar schon eine negative Körperreaktion nach sich; Foto – Verkrampfung. Ich empfahl ihr, ein Wort zu nehmen, das ihr gefiel.

Sie entschied sich für „Erinnerung schaffen“. Jedes Mal, wenn sie ab jetzt vor einer Kamera stand, schaffte sie sich Erinnerungen.
Und ich zeigte ihr noch ein paar simple Atemtechniken, die sie nutzen konnte, wenn sie doch wieder nervös wurde, sobald die Kamera kam.

Sie nahm sich vor, nach unserem Gespräch zunächst zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zu üben, entspannt vor der Kamera zu stehen; einfach mal zu schauen, was die Veränderung des Wortes „Foto“ bei ihr bewirkt.

 

Und das Ergebnis?

Wir sprachen ein paar Wochen später erneut zusammen. Und Anna berichtete mir, dass es ihr jetzt schon deutlich leichter fiele, zusammen mit ihrer Familie Erinnerungen zu schaffen. Sie schaffte es fast komplett entspannt und alleine, dass sie „Foto“ heute nicht mehr sagte, sondern stattdessen „Erinnerung schaffen“, half ihr dabei, locker zu bleiben.
Zukünftig wollte sie auch mit ihren Freunden zusammen üben, entspannt vor der Kamera zu bleiben.

 

Hammer oder?

Diese Geschichte hat mir nochmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, auf die eigene Sprache zu achten. Denn sie beeinflusst, genau wie unsere Gedanken, wie wir uns fühlen; ob wir locker und fröhlich sind oder ob wir uns in ungünstigen Momenten verkrampfen und uns selbst unbeweglicher machen.

Mein Impuls für Dich:

Und ich weiß, wenn Du mich schon länger verfolgst, hast Du ihn bestimmt schon öfter gelesen. Aber viele Dinge muss man immer wiederholen, damit sie nicht nur irgendwo im Kopf sind, sondern, damit wir in den entscheidenden Situationen auch auf sie zurückgreifen können:

Achte in den nächsten Tagen mal vermehrt auf Deine Sprache, vielleicht sogar auf einzelne Worte, die Du verwendest.
Welche Worte machen Dir ein gutes Gefühl?
Welche lösen eher negative Gefühle aus?

Und wenn Du ein Wort findest, bei dem Du besonders negativ empfindest, Dich vielleicht sogar anspannst, überlege mal:
Wie könntest Du dieses Wort in Deinem Sprachgebrauch ersetzen?

Beispiel von mir:
Statt Behinderung sage ich heute „körperliche Situation“. Diese Worte sind für mich neutral, Behinderung dagegen komplett negativ.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Beobachten Deiner Sprache. Schreibe  gerne  von Deinen Erfahrungen, in den Kommentaren.

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Die verschiedenen Sinneskanäle und ihr Einfluss auf Dein Training

Heute geht`s um Deine Sinneskanäle mit denen Du Sinneskanäle

  • siehst (visueller Sinneskanal),
  • hörst (auditiver Sinneskanal) und
  • fühlst (kinästhetischer Sinneskanal).

Ganz recht: Es gibt noch 2 weitere Kanäle, den olfaktorisch (zuständig für`s Riechen) und den gustatorischen (zuständig für`s Schmecken) Sinneskanal. Aber heute geht`s um die 3 Hauptkanäle, auf denen die meisten von uns überdurchschnittlich häufig unterwegs sind. Und diese 3 Kanäle können Dein Training massiv beeinflussen und sehr wahrscheinlich sogar beschleunigen!

Die Voraussetzung: Du findest den Kanal, den Du im Alltag überwiegend nutzt!

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Das kannst Du tun, wenn Du Dich nicht ernst genommen fühlst!

Ich hatte neulich einen super interessanten Austausch via E-Mail mit einer jungen Frau, die ebenfalls eine Hemiparese hat. Ich nenne sie hier mal Sandra.

Es ging um Sandras Umfeld; genauer gesagt ihre Freunde!

Sie schrieb, dass sie sich von ihnen oft nicht ernstgenommen fühlt, denn, wenn sie sie um Hilfe bittet, sagen viele von ihnen: „Probier`s erstmal alleine!“ und helfen ihr nicht.

Es ist nett gemeint. Sandra sagt, sie wollen sie nur unterstützen und ihr helfen, mehr alleine zu schaffen. Dennoch fühlt sie sich in dem Moment von ihren Freunden nicht verstanden und bevormundet.

Und aus meiner Sicht ist das absolut verständlich! 

Schließlich kann und sollte jeder als Erwachsener selbst entscheiden, was er kann und wofür er sich Hilfe wünscht.

Auch mir ist das Thema nicht unbekannt!

Mein ältester Bruder hat früher oft gemeint, nachdem ich ihn um Hilfe gebeten habe: „Das kriegst Du alleine hin!“
Auch echt nett von ihm gemeint, er will mir damit helfen, trotzdem hat es mich als Teenagerin jedes Mal genervt.

Der Rest meiner Familie war da eher anders eingestellt. Sie haben mir eigentlich immer geholfen, wenn ich das wollte.
Aber sie haben mir auch vieles abgenommen, was ich eigentlich selbst schaffen wollte (z.B. den Koffer tragen, den Kuchen zu ende backen, weil ich etwas verschüttet hatte usw.). Und auch das hat bei mir oft dazu geführt, dass ich mich bevormundet gefühlt habe. Ich durfte nicht selbst entscheiden, was ich schaffe und was nicht.

Deshalb kann ich Sandras Gefühle ihren Freunden gegenüber auch unheimlich gut verstehen. Auf der einen Seite weiß man: Der andere meint es nur gut. Auf der anderen Seite fühlt man sich nicht wirklich ernstgenommen.

Kennst Du ähnliche Situationen auch von Dir?

Eine Sache hat mir unglaublich geholfen!

Und ich habe sie auch Sandra empfohlen. Es sind 3 Fragen, aber die haben es in sich, wenn man sich wirklich mit ihnen befasst.

1. Wie nimmst Du Dich selbst wahr, wenn Du Zeit mit anderen verbringst?

Oder auch: Was denkst Du über Dich, wenn Du mit anderen zusammen bist?

Als ich mir diese Fragen das erste Mal stellte, war ich gerade am Anfang meiner Coaching-Ausbildung und 20 Jahre alt. Und dabei wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich mich oft hilflos fühlte. Ich lief permanent mit dem Gedanken rum: „Ich kann das eh` nicht!“ oder „Das wird schwierig für mich, weil ich ja diese Hemiparese habe!“ 

Im Nachhinein denke ich: Kein Wunder, dass mir immer wieder so vieles abgenommen wurde. Mein Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeiten musste erstmal wachsen. Ich musste mir erstmal selbst mehr zutrauen, damit es auch andere konnten.

Damals war diese Erkenntnis für mich nicht so toll, weil mir klar wurde, dass mein Umfeld eigentlich ein Spiegel meiner inneren Gedanken war. Ich war somit selbst daran beteiligt, dass mir andere so vieles abnahmen.
Dennoch war die Erkenntnis auch sehr hilfreich, weil ich ziemlich schnell verstand, dass ich Einfluss nehmen konnte, indem ich anfing, mir selbst mehr zuzutrauen.

2. Wie will ich mich zukünftig wahrnehmen? Wie sollen andere mich wahrnehmen?

Auch eine super interessante Frage, mit der ich mich vor meiner Ausbildung nie beschäftigt hatte. Ich habe immer geglaubt: Das kann ich doch nicht bestimmen! Und in gewisser Weise ist das ja auch so: Wir können nicht vorgeben, was andere über uns denken und was nicht. Wir können aber beeinflussen, was wir über uns selbst denken und wie wir uns verhalten. Und das wiederum beeinflusst die Wahrnehmung der anderen.

Wie will ich mich wahrnehmen? Na, als junge Frau, die selbstbewusst und motiviert ist, die Spaß daran hat, sich Herausforderungen zu stellen und die selbst entscheidet, wann sie Hilfe braucht und wann nicht.

Und schließlich 3. Was kann ich dafür tun, um so wahrgenommen zu werden? Wo kann ich Einfluss nehmen?

Für mich war diese Frage besonders knifflig. Wo kann ich Einfluss nehmen? „Ja, keine Ahnung!“, eine Zeit lang fiel mir nichts dazu ein. Vielleicht geht es Dir ähnlich, wenn Du Dir diese Frage stellst.

Dann aber kamen Ideen!

  1. Ich kann daran arbeiten, mir selbst mehr zuzutrauen; indem ich mehr ausprobiere, Ängste angehe und überwinde.
  2. Ich kann (nochmal) mit den Menschen sprechen, die mir immer so viel abnehmen und ihnen sagen: „Hey, lass mich mal machen. Ich frage Dich, wenn ich will, dass Du mir hilfst!“ 
  3. Ich kann auch mit meinem Bruder sprechen, der immer gesagt hat: „Los! Das schaffst Du alleine.“. Ich könnte ihm einfach mal sagen, dass ich weiß, er meint es gut, dass ich ab jetzt aber selbst entscheide, was ich kann und wobei ich mir Hilfe wünsche.
  4. Ich kann an meinem eigenen Selbstbewusstsein arbeiten, denn das brauche ich, um überhaupt diese Gespräche mit den anderen führen zu können. Es ist nicht einfach, anderen klipp und klar zu sagen: „Hey, lass mich bitte selbst entscheiden, was ich schaffe und was nicht!“ Das erfordert Mut und an dem kann ich arbeiten.

Wie Du wahrscheinlich mitbekommen hast, wenn Du mich schon länger verfolgst:

Viele dieser Ideen habe ich inzwischen umgesetzt bzw. setze sie nach wie vor um. Ich stelle mich immer wieder ganz bewusst meinen Ängsten (indem ich z.B. klettern gehe), wodurch mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten extrem wächst. Ich spreche mit anderen und sage ihnen, wenn ich keine Hilfe von ihnen will. Und auch mein Selbstbewusstsein ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen; alleine schon dadurch, dass ich hier und auf meinem Blog, in Videos und Coachings so viel über mich preisgebe. Früher hätte ich mich das nie getraut.

Ich glaube, ohne diese 3 Fragen wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Und ich merke: Es lohnt sich immer mal wieder, sich genau diese Fragen zu stellen, wenn ich das Gefühl habe, jemand anderes nimmt mich nicht ernst oder stellt sich über mich.

Mein Tipp:

Wenn auch Du immer mal wieder das Gefühl hast, da stellt sich jemand über Dich; entweder, weil Du Dir Hilfe wünschst, sie aber nicht bekommst oder auch, weil Du mehr Hilfe bekommst als Dir lieb ist:

Gehe diese 3 Fragen auch mal für Dich durch, mache Dir vielleicht sogar Notizen dazu. Es ist nicht unbedingt einfach, sie zu beantworten, vielleicht tun sie sogar etwas weh. Aber es lohnt sich! Denn am Ende stellt man oft fest:
Ich kann mehr beeinflussen und verändern, als ich dachte!

Coaching-Referenz von Arthur Lang

Ich begann mit meinem Coaching mit Frau Wisniewski am 01.07.2019 über eine Dauer von 2 Monaten bis zum 01.09.19. Wenn ich mich zurück erinnere, dann sehe ich nicht mehr den gleichen jungen Mann mit einer Hemiparese links, wie ich ihn heute im Spiegel sehe. 

Seit dem Anfang meines ersten von zwei Coachings hat sich bei mir einiges getan, sowohl körperlich als auch mental. Ich stehe heute ganz anders zu meinem Handicap als damals noch. Spontan fällt mir als erstes mein anderer Sprachgebrauch ein. Früher habe ich noch unbewusst schreckliche Worte benutzt, die zu Glaubenssätzen führten, was mir Frau Wisniewski aufzeigte und klar machen konnte.

Weiterhin hat sich auch mein Alltag erleichtert mit kleinen Tricks, die ich von Janina lernte. Also hat sich mein Alltag wie auch meine Sprache und somit meine täglichen Gedanken ins positive entwickelt.

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Erlaube Dir auch mal schlechte Tage zu haben!

Oft werde ich gegen Ende eines Coachings von meinen Klienten gefragt (wenn wir bereits über einen längeren Zeitraum zusammengearbeitet haben):

„Janina, wie ist das bei Dir? Hast Du eigentlich auch mal schlechte Tage? Oder ziehst Du Dein Training immer durch?“

Oft muss ich an dieser Stelle grinsen, weil:

 

Klar habe ich manchmal Tage, an denen so gar nichts läuft!

Entweder, weil…

  • … mir die Motivation fehlt, mich wirklich hinzusetzen und zu trainieren, 
  • … ich gerade ganz andere Themen als immer nur Training im Kopf habe (z.B. einen Streit mit einer Freundin, ein großes Projekt in meiner Arbeit oder auch Hochzeitsvorbereitungen in Corona-Zeiten) oder
  • es mir einfach mal nicht gut geht; ich bin z.B. traurig wegen irgendetwas oder fühle mich überfordert.

 

Und ich finde: Schlechte Tage zu haben, ist völlig okay!

Mehr noch: Sie gehören einfach dazu! Vielleicht sind sie am Ende sogar für etwas gut.

 

Es kommt auf Deine Bewertung an!

Das Ding bei Tagen, an denen einfach gar nichts läuft: Wir fühlen uns mies, weil wir (mal wieder) nicht das schaffen, was wir uns vorgenommen haben.

Wir fangen vielleicht sogar an, uns über uns selbst zu ärgern, uns selbst abzuwerten („Ich schaff`s einfach nicht! Ich bin sooo blöd!“) oder auch den ganzen Tag („Was für ein scheiß` Tag!“).

Die Konsequenz: Wir bekommen noch schlechtere Gefühle, noch weniger Motivation.

 

Wie wäre es, wenn Du Deine Bewertung veränderst?

Erlaube Dir einen schlechten Tag! Lass ihn da sein. Begrüße ihn vielleicht sogar, indem Du sagst:
„Hey schlechter Tag, da bist Du ja. Alles klar, heute mache ich mal eine Trainingspause!“

Wenn`s mehrere schlechte Tage hintereinander sind, dann lass auch sie da sein. Pfeife mal auf Dein Training mit Deinem Handicap und erhole Dich! Auf diese Weise kannst Du Kraft tanken, statt Dich selbst oder den Tag abzuwerten.

Genau das mache ich, wenn`s bei mir im Training mal nicht läuft!

Ich zwinge mich nicht dazu, etwas zu machen, worauf ich im Augenblick absolut keine Lust habe.

Stattdessen mache ich das, wonach mir ist. 
Wenn`s Weinen ist, weil ich gerade traurig bin, ja dann ist es halt das.
Wenn`s Wut ist, dann stampfe ich gerne auch mal mit dem Fuß auf den Boden und reagiere mich kurz ab.
Und wenn ich einfach mal faul bin, dann bleibe ich halt einfach mal auf der Couch liegen und mache Pause. 
Morgen ist ein neuer Tag, da kann ich wieder Gas geben!

Noch ein Tipp: Verändere Deine Worte!

„Einen schlechten Tag haben“ – Das hört sich ziemlich negativ an oder?
Ich denke da sofort an „Faulheit“, „kein Durchhaltevermögen“ oder „Krankheit“.
Welche Assoziationen kommen bei Dir?

Wenn sie auch so negativ sind wie bei mir, dann nenne diese Tage doch am besten anders!
Z.B. „Auszeit-Tage“, „Pausen-Tage“ oder „Erholungszeit“. 
Dir fallen bestimmt noch bessere Bezeichnungen ein. 

 

Warum die andere Bezeichnung?

Alleine durch die Veränderung Deiner Sprache gibst Du dem Tag eine andere Bewertung, Du neutralisierst ihn („schlechter Tag“ wird zur „Auszeit“). 
Das macht es leichter, diese Tage, an denen wenig läuft, zu akzeptieren. Sie gehören einfach dazu!

 

Und die Motivation kehrt früher oder später wieder zurück!

Selbst, wenn Du ihr dafür ein bisschen auf die Sprünge helfen musst, indem Du…

  • Dir z.B. alte Erfolge von Dir im Erfolgs-Tagebuch durchliest,
  • Dir ein neues, attraktives Ziel setzt oder
  • nochmal überlegst, warum Du Dein körperliches Handicap eigentlich verbessern willst.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar zum Thema!

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„Ich muss gleich noch trainieren!“ Musst Du?

Ich höre es mich selbst auch immer wieder sagen:
„Ich MUSS gleich noch das Projekt abschließen.“
„Ich MUSS heute unbedingt aufräumen.“
„Ich MUSS gleich noch zum Sport.“

Wir nutzen das Wort „müssen“ ziemlich oft im Alltag!

Und das meist völlig unbewusst. Es gehört einfach zu unserem täglichen Sprachgebrauch.
Aber es lohnt sich, genau das mal zu hinterfragen;

Weil, was bewirkt dieses Wort?

Überprüfe das gleich mal selbst für Dich! Denke mal an etwas, dass Du heute oder die nächsten Tage unbedingt erledigen willst (z.B. zum Sport gehen, zur Physio oder Ergo, ausmisten usw.).
Und sage dann mal mehrmals hintereinander: „Ich muss noch… (das, was Du eben erledigen willst)“.

Wie fühlt sich das an, wenn Du diesen Satz sagst? Welche Bilder kommen in Dir hoch?
Eher positive? Bekommst Du Bock auf das, was Du vor Dir hast?
Oder kommen in Dir eher negative Gefühle und Bilder hoch, vielleicht kommt sogar Druck auf?

In mir löst „müssen“ Stress aus! 

Ich muss löst Stress ausWenn ich denke „Ich muss…“ dann hört sich das, was ich vor mir habe, überhaupt nicht nach Spaß an! Es ist eine reine Pflichterfüllung; „Es muss halt gemacht werden!“ 

Und wenn ich das, was ich vorhabe, schon länger vor mir herschiebe, löst dieses müssen zusätzlich auch noch Druck und Stress aus; nach dem Motto:
„Es muss jetzt ENDLICH gemacht werden! Komm aus dem Quark, Janina!“

Die Chance, dass ich es dann auch wirklich gerne mache, ist sehr gering. Deshalb schiebe ich mein Vorhaben auch manchmal wieder auf; einfach, weil ich keine Lust darauf habe.

Was mich am Müssen auch stört: Man hat das Gefühl, keine Wahl zu haben. „Es muss erledigt werden, da führt kein Weg dran vorbei!“

Wie ist das bei Dir? Was löst das Wort „müssen“ bei Dir aus? Achte vielleicht in den nächsten Tagen mal bewusst darauf.

Wenn es auch bei Dir eher Negatives auslöst…

… dann lass das „müssen“ doch einfach mal weg!

Gut, einfach ist so eine Sache, schließlich hat sich das Wort ziemlich in unseren Sprachgebrauch eingebrannt. Wir kennen es schon von klein auf an. In der Schule haben wir es zigfach gehört:
„Du musst Deine Hausaufgaben machen.“,
„Du musst daran denken, für den Test zu lernen!“ oder
„Du musst einen guten Abschluss machen!“

Wie gesagt, auch ich nutze das Wort bis heute immer wieder. Aber, ich sage es deutlich seltener als früher und das nimmt mir eine Menge Druck und Stress!

Diese 2 Tipps haben mir geholfen:

1. Hinterfrage das „muss“ in dem Satz!

Wenn ich mich mal wieder sagen oder denken höre:
„Ich muss dieses oder jenes (z.B. zur Ergotherapie).“

Dann frage ich mich selbst danach: Stimmt das? Muss ich das wirklich?
Meistens gebe ich mir selbst die Antwort:
„Nein, ich muss das nicht! Ich will zur Ergo; einfach, weil sie mir so viel bringt!“  
Wenn dem nicht so wäre, würde ich nicht hingehen.

Oder auch: Muss ich wirklich aufräumen?
„Nein, muss ich nicht. Es wäre auch okay, wenn`s unordentlich bleibt. Aber ich fühle mich dann unwohl, deshalb will ich aufräumen!“

Das heißt: Ich mache mir klar:
Hey, ich habe eine Wahl, was ich mache und was nicht. Ich muss GAR NICHTS!

2. Finde andere Formulierungen!

Nicht immer passt es, von „Ich muss…“ gleich auf „Ich will…“ umzusteigen. Manche Sachen, die man so zu tun hat, will man nämlich auch gar nicht machen (z.B. die Steuererklärung, ausmisten, schwierige Gespräche führen).

Stattdessen dann zu sagen „Ich will…“ oder „Ich muss…“, sage ich:
„Ich mache gleich…“
z.B.
„Ich gehe gleich zum Sport, zur Physio bzw. Ergo.“,
„Ich räume jetzt auf.“ oder
„Ich mache morgen meine Steuererklärung.“

Das hat mehrere Vorteile:

Zum einen nehme ich den Druck und die negativen Gefühle raus, die das Wort müssen mit sich bringt. So kann ich in einer positiven oder zumindest neutralen Stimmung bleiben und gerate weniger in Stress.

Zum anderen sind diese Sätze auch viel klarer und deutlicher formuliert. Sie legen den Fokus darauf, was ich mache bzw. machen werde und nicht darauf, was ich muss, aber eigentlich gar nicht will. Die Chance, dass ich mein Vorhaben dann auch wirklich umsetze, ist deutlich höher!

Meine Idee für Dich:

Wenn auch Du jetzt Bock darauf bekommen hast, weniger zu sagen: „Ich muss dieses oder jenes.“, dann achte in den nächsten Tagen mal bewusst darauf:
Wann sagst Du typischerweise „Ich muss…“?
In welchen Situationen? Vor welchen Herausforderungen?

Und dann probiere die 2 Tipps aus der E-Mail selbst mal aus:
Hinterfrage Dein „Ich muss…“ Musst Du wirklich?
Und versuche bewusst mal, das müssen wegzulassen und stattdessen mehr zu sagen: „Ich mache das jetzt.“
Ich bin mir sicher: Es ist dadurch einfacher, das, was Du Dir vorgenommen hast, umzusetzen; vielleicht sogar mit Spaß, auf jeden Fall mit mehr Leichtigkeit ;).

Eine Sache noch: 

Ärgere Dich bitte nicht, wenn es Dir nicht gleich gelingt, „müssen“ aus Deinem Wortschatz zu verbannen. Darum geht es auch gar nicht! Manchmal muss 😉 man`s einfach sagen. Und das ist völlig okay!

Wichtiger ist, dass Du immer mal wieder bewusst darauf achtest:
Was macht das eigentlich mit mir, wenn ich dieses oder jenes sage bzw. denke? Was kommen für Gefühle, Gedanken oder Bilder hoch?

Und wenn Du feststellst, ein bestimmtes Wort oder auch ein Satz macht Dir eher negative Gefühle, dann überlege: Wie könntest Du dieses Wort, diesen Satz zukünftig anders formulieren; neutraler, positiver?

Ich freue mich auf Deinen Kommentar zum Thema.

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Schlaganfall Prognose – Hinterfrage sie!

Schlaganfall PrognoseIn letzter Zeit bin ich immer wieder Menschen begegnet, die nach einem Schlaganfall die Prognose bekommen haben:  Sie können ihre Hemiparese bzw. Hemiplegie jetzt gar nicht mehr oder nur noch minimal verbessern.

Die häufigste Begründung dafür:

„Was sich innerhalb eines Jahres nach dem Schlaganfall/dem Unfall nicht verbessert, das wird auch nicht mehr besser!“

Um ehrlich zu sein, machen mich Aussagen wie diese inzwischen richtig wütend!

Denn mittlerweile ist sehr gut wissenschaftlich belegt:

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Hilfe, ich hatte einen Schlaganfall!

Du hattest vor kurzem oder schon vor längerer Zeit einen Schlaganfall und deshalb hast Du heute eine Hemiparese oder Hemiplegie?

 

Das hat Deine Welt bestimmt ganz schön auf den Kopf gestellt!

Schlaganfall - Mann, der die Hand vors Gesicht hältVieles klappt nicht mehr so wie früher. Es stellen sich viele Fragen. Z.B.:

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Mental arbeiten – Was heißt das überhaupt?

Wenn Du Dir zwischendurch meine Videos auf Youtube ansiehst, dann kennst Du diesen Spruch:

„Mental richtig aufgestellt, kannst Du physisch so richtig durchstarten!“ Das sage ich oft am Ende der Videos.

Aber was bedeutet „mental richtig aufgestellt“ eigentlich?

 

Fangen wir vorne an: mental – Was bedeutet das?

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Was unsere Körperhaltung mit unseren Gefühlen macht

Lust auf ein kleines Experiment?

Dann bist Du heute hier genau richtig!
Es geht um Deine Körperhaltung und deren Einfluss auf Deine Gedanken und Deine Gefühle. Mach einfach mal mit!

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